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Nach dem Konzert in der Audienzhalle des Vatikans segnete Papst Benedikt XVI. Musiker, Sänger und Gäste.

Der Papst sagt „Vergelt’s Gott“

Rom - Papst Benedikt XVI. hat das Bayerische Staatsorchester zu einem Konzert im Vatikan eingeladen. Als er sich bedankte, richtete er sehr persönliche Worte an den Dirigenten.

Mit einem großen Gotteslob, dem „Te Deum“ Anton Bruckners, im Gepäck reisten das Bayerische Staatsorchester und die Audi-Jugendchorakademie am Wochenende gen Rom. Auf Einladung von Papst Benedikt XVI. musizierten beide Ensembles unter der Leitung von Kent Nagano in der riesigen, mit etwa 3000 Zuhörern leider nur halbvollen Audienzhalle. Anschließend krönte die 9. Symphonie des frommen Bruckner, die er „dem lieben Gott“ gewidmet hat, das Konzert.

Nach Auftritten der Münchner Philharmoniker (2005) und des BR-Symphonieorchesters (2007) wurde in Rom nun die Bitte Naganos und seiner Musiker erhört, im Vatikan spielen zu dürfen. Bereits im Jahr 1988 hatte das Staatsorchester unter Wolfgang Sawallisch Johannes Paul II. zum zehnjährigen Papst-Jubiläum gratuliert, damals mit einem Konzert im Petersdom. Heuer hatte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, geholfen, den Wunsch des Orchesters und Naganos zu erfüllen. „Ich arbeite seit 2006 für dieses Projekt“, bestätigte der Generalmusikdirektor. Nach dem Konzert zeigte sich der Dirigent, dem Papst Benedikt – wie auch den Solisten – persönlich gedankt hatte, tief beeindruckt: „Es ist schwer für mich, Worte zu finden, nach dieser besonderen Erfahrung. Bruckners Musik erlebt man in diesem Kontext aus einer anderen Perspektive als im Konzertsaal.“

Was der Heilige Vater, der nach Bruckners Weltabschieds-Adagio von seinem Platz im Zentrum der Aula zu Musikern und Sängern aufs Podium gestiegen war, Nagano sagte, verriet dieser nicht: „Es war sehr persönlich und kam von Herzen. Vielleicht muss das zwischen uns bleiben.“ Dass der Auftritt eine Herzensangelegenheit des „in der Kirche aufgewachsenen“ Nagano war, äußerte sich nicht nur in seinem musikalischen Engagement, sondern auch im praktischen Zupacken: Der Dirigent rückte Pulte und Stühle, schleppte die Pauken von der einen Seite des Podiums auf die andere, um der akustisch schwierigen Audienzhalle das Beste abzutrotzen.

Für das Bayerische Staatsorchester und die Staatsoper war dieser Rom-Trip eine Herausforderung: Gerade aus Japan zurückgekehrt und vor der großen Premiere von „Les Contes d’Hoffmann“ am 31. Oktober traten die Musiker dennoch „hoch motiviert und inspiriert“ (so ihr Chef) vor den Papst und seine Gäste – Diplomaten am Heiligen Stuhl, Mitarbeiter im Vatikan, Geistliche, Ordensschwestern und der Kirche nahestehende Bürger Roms. Auch eine große bayerische Fraktion, angeführt von Kardinal Marx und den Staatsministern Wolfgang Heubisch und Ludwig Spaenle, lauschte den Musikern. Sogar 150 Sponsoren des Staatsorchesters und der Oper pilgerten nach Rom. Und sieben Opern-Mitarbeiter charterten den Bus der „Ballküren“, der Damenfußball-Mannschaft des Orchesters, um beim Konzert im Vatikan dabei zu sein. Karten gab es für alle Zuhörer gratis. Staatsopernintendant Nikolaus Bachler hob in Rom das Besondere dieses Gastspiels hervor: „Bruckner in dieser religiösen Atmosphäre“, beeindrucke auch ihn, verriet Bachler – und: „Ich habe keine Fragen an den Heiligen Vater.“

Dass für dieses musikalische Großereignis der bayerische Autobauer Audi tief in die Tasche griff, war Voraussetzung. Denn wen der Papst einlädt, der braucht einen spendierfreudigen Sponsor. Audi ist mehr als das: Mit seiner 2007 gegründeten Jugendchorakademie engagiert sich das Unternehmen an der Basis und fördert Sänger zwischen 16 und 27 Jahren aus ganz Deutschland. Martin Steidler widmet sich seit Beginn der Ausbildung dieses Chores, der im Vatikan mit 90 Sängern antrat, unterstützt von zehn Profis des Staatsopernchores. Da Kent Nagano mit den jungen Künstlern bereits gearbeitet hatte, wusste er auch in Rom diese vorzüglich einzubinden. Zum Abschluss: Applaus für Musiker und Sänger – ein „Vergelt’s Gott“ und der Segen des bayerischen Papstes.

Von Gabriele Luster

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