Paradekomiker mit vielfältigen Talenten

- Bonn - Mit Gunther Philipp, der am Donnerstag 85-jährig in Bad Godesberg starb, ist eine der letzten Größen des deutsch-österreichischen Nachkriegsfilms abgetreten. Sein Name steht vor allem für die Filmklamotten der Wirtschaftswunderzeit.

<P>Zwischen 1950 und 1970 war es sehr schwierig, einen deutschen oder österreichischen Unterhaltungsfilm ohne Gunther Philipp zu sehen. Der am 8. Juni 1918 in Rumänien geborene Sohn eines Wiener Tierarztes gehörte im Kino jener Jahre zum ständigen Komikerinventar. Zu den populärsten seiner rund 150 Filme zählen "Die Abenteuer des Grafen Bobby", "Wenn Poldi ins Manöver zieht", "Unsere tollen Tanten" und "Gräfin Mariza".</P><P>Unter der Regie von Franz Antel drehte er "Kaiserwalzer", "Kaisermanöver" und "Im weißen Rössl". Außerdem war er in Willi Forsts "Kaiserjäger" und in Ernst Marischkas "Die Deutschmeister" zu sehen. Von der Popularität aus diesen Filmen profitierte Philipp noch im Alter als Theaterschauspieler.</P><P>Der promovierte Nervenarzt war zu intelligent, um nicht selbst zu erkennen, welche Funktion er in deutschsprachigen Leinwandprodukten ausfüllte: "Klamottenheini und Trottel vom Dienst". Aber er hat darüber nicht geklagt, sondern dem Publikum gegeben, wofür dieses bezahlen wollte. Doch Philipp hatte auch als Tänzer, Sänger und Kabarettist Talent, dazu schrieb er Revuen, Hörfunksendungen und mehr als 20 Filmdrehbücher. Dass er auch noch als Conferencier, TV-Talkmaster und sogar als dreimaliger österreichischer Landesmeister im Autorennsport brillierte, rundet das Bild des Vielbegabten ab. Neben seinem 1943 erfolgreich abgeschlossenen Medizinstudium hatte der von früh auf der leichten Muse zugewandte Philipp das Schauspielstudium am berühmten Wiener Reinhardt-Seminar absolviert. 1949 hing der Österreicher den weißen Kittel an den Nagel und schlüpfte in die vielen Kostüme seiner langen Komikerkarriere.</P><P>Kritischen Gemütern war das, was Philipp auf der Leinwand bot, fast stets ein Graus. Selbst ein so großherziger Freund des deutschen Films wie der Publizist Curt Riess schrieb bereits 1956: "Philipps Komik bleibt Geschmacksfrage. Seine Filme sind durchweg gar nicht komisch, sondern albern und deshalb ein Riesengeschäft." Geld konnte der in vierter Ehe mit einer wesentlich jüngeren Kölnerin verheiratete Philipp für seine teuren Hobbys, Frauen und drei Kinder aus den weit auseinander liegenden Jahrgängen 1943, 1967 und 1983 auch brauchen.</P><P>Als das Kino nicht mehr nach Philipp rief, wurde der Schauspieler auf seine alten Tage auch noch auf der Boulevardbühne ein viel gefragter Mann. Mit selbst verfassten Stücken wie "Wer mit wem?" oder "Damenroulette" versorgte er sich mit Bombenrollen. Im Januar 2002 hatte Philipp den letzten Auftritt in München - mit "Da wird Daddy staunen" in der Kleinen Komödie.</P>

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