Der Paradiesvogel der Prominenz

- Ist es wahr, dass er eine alternde Fernsehdiva spielt in Georg Ringsgwandls "Prominentenball", der morgen im Münchner Residenztheater seine Uraufführung erlebt? Christoph Marti (39), besser bekannt als Ursli der schweizerisch-berlinerischen Kabarettgruppe Geschwister Pfister, muss lachen: "Vielleicht würde sie sich selber so bezeichnen. Aber die Rolle, die ich spiele, heißt: die Film- und Fernsehschauspielerin Uschi Stahl."

<P>Also Stahl wie Glas? Christoph Marti: "Übereinstimmungen, so Ringsgwandl, mit lebenden Persönlichkeiten sind natürlich beabsichtigt und nicht zufällig. Ich weigere mich aber, die Person der Uschi Glas auf der Bühne nachzubuchstabieren. Ich spiele nicht ihre Biografie. Darum geht's gar nicht. Es geht um das Phänomen Uschi Glas." Kurze Unterbrechung, tiefes Luftholen, charmantestes Ursli-Strahlen und Augenaufschlag: "Ich bin noch ganz enthusiasmiert von der Probe, es sprudelt nur so aus mir heraus."</P><P>"Es gibt für diese Stars keine andere Aufgabe, als prominent zu sein." Christoph Marti (Ursli Pfister)<BR><BR>Und schon ist er wieder beim Thema des Stücks, das der genialische Possen-, Poesie- und Pop-Chaot Ringsgwandl den Münchnern und ihrer Bussi-Gesellschaft auf den  Leib  geschriebenund komponiert hat und worin sich nicht nur die bekannte Diva, sondern auch allerlei andere Berühmtheiten wie FC-Bayern-Stars und ihr Doc widergespiegelt finden.<BR><BR>Wahl-Berliner Christoph Marti, der München bislang nur aus der Perspektive seiner Geschwister-Pfister-Gastspiele kannte, staunt nicht schlecht über das, was hier an so täglichem Schickimicki geboten wird: "Es gibt für diese Stars keinen anderen Inhalt, keine andere Aufgabe mehr, als prominent zu sein. So möchte ich nicht mein Leben gestalten. Als Geschwister Pfister haben wir zwar auch eine gewisse Prominenz. Aber die nützt und macht nur Spaß, indem ich mit ihr spiele. Ist es uns ernst, oder machen wir uns darüber lustig? Es ist uns selber nicht immer ganz klar."<BR>'<BR>Und manchmal war ihm auch in seiner Münchner Theaterarbeit nicht ganz klar, wohin das kreative Durcheinander der Proben hinführen würde: "Ringsgwandl - das ist ein Verrückter. Ich habe mich das eine oder andere Mal gefragt: Wie soll dieser Verrückte jetzt diese Probe zu Ende bringen?" Als Ursli und als Regisseur der Geschwister Pfister wie auch der berühmten Berliner Zelt-Inszenierung vom "Weißen Rößl" ist Christoph Marti Perfektionist: "Nichts wird bei uns dem Zufall überlassen." Und nun das. Nun also Ringsgwandl, der Improvisations-Balanceur: "Das ist für mich nicht so einfach. Da muss ich mir immer wieder sagen: Es ist nicht deine Regie, lehn' dich zurück, du kannst nur davon profitieren, und genieße den Spaß. Und das tue ich."<BR><BR>Schließlich habe er Glück mit seiner Rolle, der Uschi: "Sie ist der Paradiesvogel des Abends. Handlungsmäßig mach' ich gar nichts, dafür bin ich aber andauernd dran. Ich habe viele Lieder, viel zu viele nach meiner Meinung."<BR><BR>Es ist nicht das erste Mal, dass Christoph Marti in einem Staatstheater spielt. Sein erstes Engagement hatte der gebürtige Berner am Berliner Schiller-Theater. "Da habe ich sehr schnell gemerkt: Das ist hier nichts für mich, hier komme ich nicht dran." Also Wechsel an die Schaubühne, die damals Luc Bondy leitete. Marti: "Er war der Erste, der mich mit einer Frauenrolle besetzt hat. Aber er hat gesagt: Du spielst nicht etwa Travestie, sondern du spielst eine Frau. Zu dieser Zeit fingen wir auch an zu pfistern. Das war eher gedacht für private Feiern, dafür, dass wir uns ein bisschen Geld nebenbei verdienten. Ich konnt's gar nicht glauben, wir wurden sofort von den Leuten der Schaubühne aufs Podest gestellt. Wir hatten unglaubliches Glück."<BR><BR>Das war vor zwölf Jahren, seither sorgen die Geschwister Pfister dort, wo sie auftreten, für ein volles Haus. Im April zum Beispiel wieder im Münchner Volkstheater. Ein Erfolgsrezept? Marti: "Man darf sich dem Erfolg nicht verpflichten, sonst landet man in der Konserve."<BR><BR>Gibt es für den Schauspieler Christoph Marti zwischen Kabarett und Ringsgwandl auch noch so etwas wie klassisches Theater als Alternative? "Für mich selber mache ich gar nicht so den Unterschied zwischen ernsthaftem Theater und Kabarett. Ich nehme auf der Bühne alles, selbst den größten Blödsinn ernst. Aber im Herbst gehe ich an ein Drei-Sparten-Theater, ich gehe nach Bern und spiele in dem Musical ,Hello Dolly die Dolly."<BR><BR>Pah, ein Superweib! Und in großer Robe. Der Auftritt über die Showtreppe. Mit huldigenden Tänzern und allerlei Revue-Schnickschnack. Lässt sich nicht auch eine Männerrolle denken, die er spielen möchte?<BR><BR>"Nie Travestie um der Travestie willen." Christoph Marti (Ursli Pfister)</P><P>Außer Victor in "Victor oder Die Kinder an der Macht", für den er aber mittlerweile zu alt sei, fällt ihm nichts ein: "Für mich sind immer die weibliche Geste, die weibliche Reaktion, das weibliche Gefühl einer Rolle viel logischer herzustellen. Aber es darf nie Travestie um der Travestie willen werden. Es kommt auf den Rahmen, aufs künstlerische Umfeld an. Als Kind habe ich, ohne überhaupt etwas von den sexuellen Unterschieden zu wissen, sowieso gedacht, dass ich eine Frau wäre. Als ich eines Tages im Fernsehen Tänzerinnen aus dem Moulin Rouge sehen durfte, war ich fasziniert. Ich fragte meine Mutter, was das für Mädchen seien, und sie sagte: Stipteasetänzerinnen. Da wusste ich: Das ist es, was ich auch einmal machen möchte. Sie sehen, ich nähere mich langsam meinem Lebensziel." Lachend: "Natürlich, daraus hätte auch eine Tragödie werden können."<BR><BR><BR></P>

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