Ein Paradiesvogel als Rockgott

Aerosmith in der Olympiahalle: - Von Kritikern wurden sie lange nicht allzu ernst genommen, die Fans haben sie dagegen immer schon inbrünstig geliebt: Aerosmith ist eine Band, die fürs Publikum und nicht für die Feuilletons spielt. Bei ihrem Auftritt in der Münchner Olympiahalle bietet sie also gekonnt ihre Hits dar und entfacht binnen kürzester Zeit lautstarke Begeisterung im Saal.

Aerosmith zelebrieren krachledernen, schnörkellosen Rock, der gelegentlich und ziemlich effektiv mit Blues und Bluegrass versetzt wird. Die Band, die erstaunlicherweise schon seit über 20 Jahren in derselben Besetzung auftritt, verzichtet weitgehend auf eitle Virtuositätsnachweise und überlässt die Show dem extrovertierten Sänger Steven Tyler, der in grandioser Manier als bunter Paradiesvogel sein Image als triebhafter Rockgott zelebriert. Tyler wiederum überlässt seinem Gitarristen Joe Perry viel Raum für durchaus hörenswerte Soli.

Ansonsten verlassen sich Aerosmith entspannt auf die Ohrwurmqualitäten ihrer Klassiker und verzichten weitgehend auf Experimente - es gibt ja auch keinen Grund, an einer funktionierenden Show herumzubasteln. Und folglich feiert der Saal ausgelassen mit der Band, die genau weiß, was von ihr erwartet wird. So wirbeln zahllose Windmaschinen dekorativ das Haupthaar der Protagonisten durcheinander, und Tyler entblößt keck seinen Bauch, auf dem die Aufforderung "Lick me!" geschrieben ist.

Es ist aber nicht alles nur Pose: Ganz offenkundig nur zum eigenen Vergnügen stimmen Aerosmith mittendrin eine umwerfende Version des Oldies "Baby, Please Don‘t Go" an. Perry kostet genüsslich den prägnanten Riff aus, und Tyler legt viel Seele in den Gesang - das Auditorium spürt instinktiv, wie sehr die Musiker in dem Stück aufgehen und geht enthusiastisch mit.

So wird ein alter Blues-Standard zum Höhepunkt des Konzerts - die charmante Fußnote eines rundweg unterhaltsamen Abends. 

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