Paragraphen-Wirrwarr

- "Das ist lustig!", ruft Werner Koczwara. Als hätten wir nicht längst geahnt, dass es sich bei der Vorstellung seines neuen Programms "Tyrannosaurus Recht" in der Münchner Drehleier nicht um eine Beerdigung handelt. Doch Koczwara scheint dem Publikum nicht zu trauen. Wiederholt glaubt er, seine Pointen rechtfertigen zu müssen und beansprucht ganz altbacken Feuilleton-Tauglichkeit: Da müssten manche Witze für viele unverständlich bleiben. Allerdings besteht Koczwaras Humor aus simpel konstruierten Kurzschlüssen, die sicher keinen übermäßig beansprucht haben.

<P>Koczwara hat es sich zur Aufgabe gemacht, das deutsche Recht nach Absonderlichkeiten zu durchsuchen. "Die Juristerei ist eine großartige Geistesdisziplin", erkennt er ironisch, um danach der Logik des Gesetzes freie Bahn zu lassen. Er erläutert, wie das Herrenloswerden eines Bienenschwarmes geregelt ist, oder zitiert aus dem Erbrecht: "Erbe kann nur werden, wer lebt." Das kann durchaus witzig sein, wird über die Dauer von zwei Stunden aber zu einer müden Pflichtübung. Koczwara präsentiert seine Funde wie Ausstellungsobjekte, ein Paragraph folgt dem nächsten. </P><P>Zwar alles juristische Spitzfindigkeiten und Grotesken, doch deutsches Gesetzeswirrwarr und ausufernde Gerichtsurteile sind wahrlich keine Neuigkeiten. "Show, don't tell", lautet eine Komikermaxime, die Koczwara zu sehr verinnerlicht hat. Er führt fast nur noch vor und vergisst dabei das Lockendrehen, das absurde Ausarbeiten des Gezeigten. Dass er es kann, beweist er zu selten. Er sei bereit, zwei Jahre Gefängnis zu investieren, erzählt er einmal. Wenn er dann berichtet, welche Straftat er dafür verüben dürfte, dann stellt er das Gesetz auf den Kopf und präsentiert die wirklichen Absurditäten.</P><P>26.-30. November, Tel. 089/ 48 27 42.<BR></P>

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