Aus dem Paris des Ostens

- Das Erstaunlichste an der Musik der Roma in Rumänien ist schlichtweg, dass es sie noch gibt. Denn merkwürdig ist: Alle, auch die Gadjos (Roma-Wort für Nicht-Zigeuner), lieben diese Musik, aber offiziell war sie nie wohlgelitten. Vulgär erschien sie vielen wegen der unverblümten Texte, und die mitreißenden Rhythmen wurden als hedonistisch-triebhafte Bedrohung der herrschenden Ordnung empfunden.

<P>In gewisser Hinsicht ist es die Blues-Musik Europas. Auch die Zigeuner wurden lange als Sklaven gehalten und sind, aller politischen Absichtserklärungen zum Trotz, immer noch benachteiligte Außenseiter. Ihre Lieder erzählen ohne romantische Floskeln, aber herrlich sentimental von Liebe, Leid, Gewalt und Armut. Die CD "Suburban Bucharest" versammelt Beispiele dieser unvergleichlichen Musik aus rund 80 Jahren.</P><P>Die Frauen der Konkurrenten getötet</P><P>Und die Lieder berichten zugleich, zwischen den Noten gewissermaßen, vom Schicksal der Roma.<BR>Es ist eine Anthologie des Leids, auch des Lebenstrotzes. Heute sind Roma-Sänger populärer denn je, insbesondere jene, die einen Pop-Folklore-Mix mit orientalischem Einschlag produzieren, der Puristen die Zornesröte ins Gesicht treibt,  der  aber  bei der Bevölkerung populär ist. Auch diese Stücke haben ihren Reiz, doch die dudelnden Synthesizer-Arrangements sind oft einfallslos und weit entfernt vom aufregend spontanen Klang älterer Lieder.</P><P>Die besten Nummern stammen aus der Vorkriegszeit, sind eher sparsam instrumentiert und exponieren die wunderschönen Stimmen wie etwa jenen glockenhellen, kindlich-reinen Gesang von Maria Tanase, die in den 30er-Jahren der größte Star Rumäniens war - als Bukarest noch als "Paris des Ostens" galt. Und die umwerfende Stimme von Zavaidoc rüttelt einen immer noch durch, auch wenn die Aufnahme 70 Jahre alt ist.</P><P><BR>Unter glücklicheren Umständen hätte der Mann als Heldentenor die Opernhäuser der Welt in Grund und Boden gesungen. Aber so schlug er sich als Kaffeehaus-Solist durch und disziplinierte Konkurrenten, die zu erfolgreich zu werden drohten, indem er ihre Frauen umbringen ließ: Wenn es Gott schon gefällt, einen ins Leben in der rumänischen Provinz zu werfen, muss man eben das Schicksal in die eigenen Hände nehmen.</P>

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