Wieder mal Eklat in Bayreuth

"Parsifal": Nelsons schmeißt kurz vor der Premiere hin

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Bayreuth - Die Festspiele liefern wieder mal einen Eklat: Dirigent Andris Nelsons gibt den „Parsifal“ wenige Wochen vor der Premiere zurück. Ist Christian Thielemann mitschuldig?

Wer Andris Nelsons kennt, weiß: Er ist keiner, der aufbrausend reagiert, cholerisch, irrational oder leicht reizbar. Dafür ist er jemand, der brennt für seine Aufgaben, mit einer unbedingten Leidenschaft, über die alte Hasen der Dirigentenszene hinweg sind. Wenn also einer wie Nelsons den neuen „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen wenige Wochen vor der Premiere am 25. Juli zurückgibt, muss etwas Ernstes vorgefallen sein.

Das Festival selbst kleidet den mittlerweile alljährlichen Skandal in dürre Worte. Man bedaure sehr, das Nelsons um seine Vertragsauflösung gebeten habe. Leider hätten „die Umstände bei den diesjährigen Festspielen Andris Nelsons nicht die Atmosphäre ermöglicht, die er für seine künstlerische Arbeit benötigt“. Und wer hat ihm die Stimmung verdorben? Wer in Bayreuth herumfragt, hört dabei immer wieder den Namen Christian Thielemann. Der dortige Musikdirektor nimmt regelmäßig an den Proben der Kollegen teil. Das ist von Festspielleiterin Katharina Wagner so gewollt, Thielemann hat schließlich die meiste Erfahrung mit der kniffligen Akustik. Doch zwischen Ratschlag und Gängelung, gar Besserwisserei scheint die Grenze auf fatale Weise verwischt.

Kirill Petrenko, in den vergangenen drei Jahren in Bayreuth mit dem „Ring“ betraut, hat offenbar das meiste einfach abtropfen lassen. Vieles deutet nun darauf hin, dass Andris Nelsons nicht derart gelassen reagierte. Wie berichtet wird, gab es während einer Probe für die „Blumenmädchenszene“ des „Parsifal“ einen Vorfall. Thielemann habe sich als Zuhörer über zu wenig Lautstärke beklagt – nicht wissend, dass man eigentlich das akustisch heikle Bühnenbild testen wollte. Eine Episode, die, so wird erzählt, nicht die erste ihrer Art war.

Ein (zu) selbstbewusster Musikdirektor, eine Festspielleiterin, der die Moderation angesichts solcher Alphatiere nicht gelingen will: Einige folgenschwere Baustellen gibt es derzeit am Grünen Hügel, zusätzlich zur Sanierung des Festspielhauses. Dass Andris Nelsons nicht das Gespräch mit Katharina Wagner suchte und um eine Klärung bat, fällt allerdings auf ihn zurück. „Eine ungute Gemengelage“ sei da entstanden, wie es ein Entscheidungsträger formuliert. Die hat gewiss zu tun mit überflüssigen Ratschlägen, aber sicher auch mit Stress. Kürzlich ist Nelsons während der „Parsifal“-Proben für Riccardo Chailly beim Gewandhausorchester eingesprungen – und hat damit seinen scheidenden Vorgänger auf der Leipziger Stelle vertreten.

Wäre es beim ursprünglichen Plan geblieben, hätte der 37-Jährige zwischen den Bayreuther Vorstellungen nach Nordamerika jetten müssen. Beim Tanglewood-Festival, das von Nelsons’ Boston Symphony Orchestra bestritten wird, dirigiert er am 29., 30. und 31. Juli drei (!) verschiedene Konzertprogramme, am 2. August ist in Bayreuth wieder „Parsifal“ angesetzt. Im August fliegt Nelsons dann erneut nach Massachusetts, um Verdis „Aida“ aufzuführen – auch nicht gerade ein Erholungsurlaub.

Christian Thielemann selbst weist alle Schuld von sich. Wenn er um Einschätzungen zur Akustik gebeten werde, dann komme er der Bitte gern nach, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber er habe sich nie in irgendwelche Dinge eingemischt. Da müsse man sich eher bei denjenigen erkundigen, die solche Geschichten in die Welt setzen. Derzeit ist Bayreuths Musikdirektor mit den Proben für die Wiederaufnahme von „Tristan und Isolde“ befasst. Eine Übernahme des „Parsifal“ von Nelsons komme daher nicht in Frage.

Katharina Wagner muss sich also schnellstmöglich nach einem Nelsons-Ersatz für das Bayreuther Stück schlechthin umsehen. Ein „Parsifal“, auf dem ein Fluch zu lasten scheint: Ursprünglich war bekanntlich für die Regie Aktionskünstler Jonathan Meese vorgesehen. Von dem hatten sich die Festspiele vor zwei Jahren getrennt, Uwe Eric Laufenberg übernahm – und kündigte an, zwecks Religionskritik auch Frauen in Burkas auftreten zu lassen.

Rubriklistenbild: © dpa

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