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Der neue Parsifal: Burkhard Fritz (Mi.) mit großem Darstellungswillen, hier in einer Szene mit Detlef Roth als Amfortas.

Bayreuther Festspiele

Parsifal: Zum letzten Liebesmahle

Bayreuth - Erfolgreichste Inszenierung: Stefan Herheims „Parsifal“ verabschiedet sich nach fünf Jahren von den Bayreuther Festspielen.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist: Ein bisschen trifft das auch auf Stefan Herheims „Parsifal“-Inszenierung auf dem Grünen Hügel zu. Seit der Premiere 2008 hat sich diese Oper gewordene Bilderflut als bei der Kritik und beim Publikum erfolgreichste Inszenierung seit vielen Jahren etabliert – und besser wird sie sicherlich nicht mehr. Schon deswegen, weil Herheim einmal mehr alle Gewerke des Theaters bis an die Extreme fordert, ja überfordert. Dieser „Parsifal“ verlangt nach Festspiel-Aufmerksamkeit, würde als Repertoireaufführung alle Rahmen sprengen und ist selbst nach Bayreuther Maßstäben eine Technik- und Materialschlacht.

Die deutsche Geschichte von der Reichsgründung bis in den Bundestag, dazu eine hochspannende Exegese des Erlöser-/Erlösungsbegriffes und noch viel mehr: Der norwegische Regisseur hat in dieser Produktion wahrlich nichts ausgelassen. Nur so ist auch zu verstehen, dass sich die Festspielleitung für die nächste „Parsifal“-Inszenierung 2016 der Mitwirkung des Künstlers Jonathan Meese versichert hat, dessen Deutung sicherlich auf ein Experiment jenseits aller von Herheim beschrittenen Wege herauslaufen wird – und so von Anfang an nicht in Vergleichsnot geraten kann.

Seit der Premiere hatten sich viele Zuschauer für eine Aufzeichnung dieser Produktion starkgemacht. Trotz einiger Bedenken der Festspielleitung und ihres dauerhaft angespannten Verhältnisses zu dem in seinen Forderungen nicht gerade zurückhaltenden Regisseur kommt es in diesem Jahr dazu. Wenn auch eher per Zufall: Der in diesem Jahr ursprünglich für DVD-Ehren vorgesehene „Tannhäuser“ hatte die dafür mindestens erforderliche Latte an Zustimmung aus jeglicher Richtung gerissen.

Bayreuther Festspiele: Viel Prominenz auf dem grünen Hügel

Bayreuther Festspiele: Viel Prominenz auf dem grünen Hügel

Zur Aufzeichnung standen noch einmal Wechsel an. Sehr positiv zu werten ist die Übernahme des Dirigats durch Philippe Jordan, der bei seinem Hügeldebüt auf Anhieb die Akustik bewältigt und ein schlüssiges, der vielschichtigen Theatralik Herheims sehr nahes Konzept verwirklicht. Burkhard Fritz wirft sich als neuer Parsifal-Interpret mit sehr guter Textverständlichkeit und immensem Darstellungswillen in seine Aufgabe. Offenbar ist hier noch einmal sehr genau geprobt worden.

Starke Nerven zum Übertragungstag muss man Susan Maclean wünschen, der für die Kundry ein paar sichere hohe Töne fehlen – da kennt das Festspielpublikum keine Gnade. Eine Unsicherheit mehr bietet diese Aufzeichnung aber auf jeden Fall: Für das pralle Bilderangebot auf der Bühne braucht es eine sehr kluge, aufmerksame und musikalische Kamera- und Schnittregie. Hier wird das Arte-Regieteam beim Medienwechsel von der Bühne auf die kleine oder größere Leinwand zuhause oder im Kino auf eine echte Bewährungsprobe gestellt.

„Parsifal“ wird am Samstag. 11. August, ab 17.15 Uhr zeitversetzt auf Arte übertragen.

Mehr als 100 Kinos deutschlandweit übertragen ab 16 Uhr. In München ist das im Cinema Filmtheater in der Nymphenburger Straße 31, Karten unter 089/ 55 52 55. Verzeichnis unter www.wagner-im-kino.de

Von Claus Ambrosius

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