Partner des Orchesters

- Wie ungerecht. Alle Welt redet von den Macken und Künsten des Nachfolgers _ und hat darüber fast den derzeitigen Regenten vergessen. Aber James Levine, der heute 60. Geburtstag feiert, steht immerhin bis Juli 2004, also noch eine volle und vielfältige Saison, an der Spitze der Münchner Philharmoniker. Wobei Begriffe wie Chef oder Direktor kaum zu seinem Selbstverständnis passen.

<P>Wer Levines Probenarbeit erlebt, ist überrascht von der ruhigen, ausgleichenden Art, von der gelösten wie konzentrierten Atmosphäre. Ein Partner seiner Musiker, ein animierender, zuvorkommender Moderator, kein engstirniger Tyrann. 1999 übernahm er _ zusätzlich zum Spitzenposten an der New Yorker Met - die Philharmoniker. Levine sorgte für eine Ausweitung des Repertoires, für konzertante Opern-Abende und ließ (mit Hilfe von Intendant Bernd Gellermann) zu, dass auch junge Kollegen ans Pult durften _ oder Stars, die in der Ära Celibidache mit dem Bannfluch des Meisters belegt waren.</P><P>Schon als Zehnjähriger war Levine mit dem Orchester seiner Heimatstadt Cincinnati als Pianist aufgetreten. Und das Phänomen, überall der Jüngste zu sein, trat immer wieder auf: Mit 21 wurde er Assistenz-Dirigent beim Cleveland Orchestra, 1973 Chefdirigent der Met, drei Jahre später ihr künstlerischer Direktor. Vor allem mit diesem Haus, da mögen Münchens Philharmoniker verzeihen, ist der Name Levine verknüpft. Mindestens bis 2007 will er sich binden, bislang hat er dort über 2000 Vorstellungen dirigiert.</P><P>Ein Spezialist für einen bestimmten Stil, eine bestimmte Musik-Epoche ist Levine nicht, was für seine Wandlungsfähigkeit und seine künstlerische Neugier spricht. Seine Wagner-Abende (vor allem der Bayreuther "Ring") überzeugten ebenso wie seine Mozart-Deutungen bei den Wiener Philharmonikern oder vor wenigen Monaten Schönbergs "Moses und Aron" in München.</P><P>Einige Konzerte hatte Levine in den letzten Wochen aufgrund von Rückenbeschwerden abgesagt, Anfang Juli, zum "Fidelio", will er wieder am Pult der Philharmoniker stehen. Und bevor er 2004 zum Boston Symphony Orchestra wechselt, wird der Amerikaner hier Mahlers "Auferstehungssymphonie" dirigieren. Welch beziehungsreiches Finale einer Ära.</P>

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