Partnerin der Propyläen

- "Oh" war wohl die erste Reaktion von Isa Genzken nach dem Anruf aus München. Am Freitag konnte sie nicht nur mit ihrer Mutter deren 80. feiern, sondern auch, dass sie die Trägerin des "Internationalen Kunstpreises der Kulturstiftung Stadtsparkasse München" für das Jahr 2004 ist.

<P>Die Stadtsparkasse unter Harald Strötgen richtete die hoch dotierte Ehrung (50 000 Euro) bisher alle drei Jahre aus; nun gibt es einen Zwei-Jahres-Rhythmus. Sprachlos und überrascht sei die Bildhauerin (Jahrgang 1948) gewesen, die Malerei sowie Fotografie und Grafikdesign studiert hat. Helmut Friedel, Chef des Lenbachhauses und Sprecher der Jury, hatte die frohe Botschaft überbracht samt dem Anliegen, keine übliche Ausstellung zu bestreiten. Sie gehört wie ein Workshop für Akademie-Studenten zum Preis-Angebinde.</P><P>Schon die Jurymitglieder Ida Gianelli (Castello di Rivoli Museo d'Arte Contemporanea), Alfons Hug (Goethe-Institut Rio de Janeiro, Chef der Biennale von Sã~o Paulo), Vasif Kortun (Proj4L Istanbul Museum of Contemporary Art), Dirk Snauwaert (Direktor des Institut d'Art Contemporain, Villeurbanne) wurden von Friedel gebeten, ihre Wahl aus zehn nominierten Kandidaten mit einer besonderen Zielsetzung zu treffen. Das Lenbachhaus will nämlich mit dem Preisträger 2004 nicht den Kunstbau bespielen, sondern den Museumsplatz. Dort wünsche man sich, so Friedel, "ein markantes Kunstwerk eines internationalen Künstlers". Das nur auf Zeit, wobei man hofft, ein Werk von Genzken ankaufen zu können.</P><P>Was bei Isa Genzken überzeugt, ist ihr Umgang mit dem Raum. Ob die zarten, aber weit sich spannenden Bodenplastiken aus den 70er-Jahren, die sich der Eleganz der Geometrie hingaben, ob die kruden Beton-Teile, die wie Fehlgüsse auf einer Baustelle ausschauen, ob das romantische Fanal einer Riesen-Rose in Stadtgestaltungs-Ödnis, all diese Elemente haben eine erstaunliche Selbstverständlichkeit. Tun sich nicht hervor, plustern sich nicht als Denkmal auf, besitzen Naturwüchsigkeit: Bis man dann merkt, dass sie als Katalysatoren ihr ganzes Umfeld umdrehen. Der Raum, in den Genzken sie platziert, ist nicht irgendwie bestückt, schon gar nicht dekoriert oder beschönigt, die Charakteristik der Örtlichkeit tritt im Gegenteil viel deutlicher hervor. Was das für den Museumsplatz - einerseits mit den monumentalen Propyläen, andererseits mit der trennenden Straße - bedeutet, wird man ab Mai 2004 sehen.</P>

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