Party mit Sirup

- "Fahrstuhlmusik", "Kaufhausgedudel", "Weichspülerpop", "Plastikklänge" - mit derlei geringschätzigen Bemerkungen musste James Last Zeit seines Musikerdaseins leben. Sein unverwechselbarer "Partysound" machte ihn im Laufe der Dezennien zum weltbekannten Spitzenverdiener der Unterhaltungszunft.Seine Kompositionen haben bis heute schon nach dem ersten Anhören stets Ohrwurmcharakter, die Füße wippen mit, auch wenn der Kopf eigentlich dagegen ist. Schließlich war und ist James Last immer die Sorte von Musik, die man gerade nicht mehr hört. Auch eine Art der Zeitlosigkeit, wie sich bei seinem Konzert in der Münchner Olympiahalle zeigt: Jung und Alt sitzen friedlich nebeneinander und lauschen.

<P>Seit dem Aufkommen des "Easy Listening" ist James Last wieder Trend. Vor allem die Klassiker aus den Sechziger- und Siebzigerjahren sind wieder in. Regisseur Quentin Tarantino hat Lasts Panflöten-Stück "Lonely Shepard" sogar in seinem letzten Film "Kill Bill" verwertet. Wenn Last solche Anekdoten aus seinem bewegten Berufsleben erzählt, unprätentiös und fast verschämt, scheint sich das Rätsel seines gigantischen Erfolges langsam zu lösen. Hier steht einer, der sich nie um seine Außenwirkung geschert hat, der nicht nach Trends schielte, sondern immer nur tat, was er wollte. Und das war und ist eben, begleitet von einem Orchester, das einige wahrlich exzellente Musiker vereint, Musik zu machen. Leicht eingängige, die allen gefällt. Egalisierende Beliebigkeit kann man dem "Hansi", wie sich der seit langen Jahren in Florida lebende Bremer immer noch beharrlich von allen nennen lässt, allerdings vorwerfen. Seine Adaptionen von Klassikern wie "Volare", "Rock around the Clock" , "Azzurro" oder Czardas-Melodien sind schmissig, stimmungsvoll und geschickt für den Last'schen Big-Band-Klangteppich arrangiert.<BR><BR>Variiert das Orchester jedoch Songs von Abba oder Milva, "dem rothaarigen Zahn", wie Last erläutert, wird ihm sein alles einebnender Sirupsound zum Verhängnis: Da werden die einstmals scharfkantigen Nummern zu bloßem Füllmaterial für Lasts "Happy Music" degradiert. Dass Last sich schließlich auch noch an Johann Strauss' "An der schönen blauen Donau" vergreift und daraus ein schnittigen Synthesizer-Mitklatsch-Hit schustert, grenzt dann schon fast an Blasphemie . . .<BR></P><P> </P>

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