Passende Transparenz

- Am Anfang die Frage: Ist's Bach, ist's Koopman? Von Johann Sebastian Bachs Markus-Passion ist nur der Text erhalten geblieben. Der Holländer Ton Koopman hat nach einer gängigen Kompositionsmethode Bachs - der Wiederverwendung eigener Werke - die Arien und Choräle der Passion gesetzt und die Rezitative dazwischen neu komponiert. Man könnte sagen, einen handwerklich bearbeiteten Bach erschaffen. An dieses ganz besondere Stück wagte sich nun Philipp Amelung mit seinem Bach-Ensemble und bescherte damit dem Publikum im Münchner Herkulessaal einen äußerst spannenden Abend.

Die schlanke Besetzung von 20 Chormitgliedern gibt dem Werk die passende sängerische Transparenz, die vom Barockorchester La Banda begleitet wird. Die historischen Instrumente, viel indirekter und sanfter als moderne, harmonieren mit dem Chor zu einem ausgewogenen Zusammenklang. Gerade die Traversflöte liefert dem Solisten Christian Hilz (Bass) eine unaufdringliche, virtuose Begleitung für seine Arie "Mein Heiland, dich vergess' ich nicht", bei der seine volle Stimme den Raum erobert. Er wie auch Tenor Hubert Nettinger haben die kraftraubendsten Partien an diesem Abend zu bestreiten, beide tragen die Musik ausdrucksvoll vor und bleiben ihr verhaftet mit einer Interpretation im Sinne des Gesamtwerks. Das Glück zweier perfekt zusammenpassender Stimmen darf der Zuhörer bei der Arie "Er kommt, er kommt, er ist vorhanden!" erleben: Die blinde Sopranistin Gerlinde Sämann legt samtige, geschmeidige Töne vor, in die David Erler nahtlos mit einem glasklar intonierten Altus einsetzt. Das Ensemble folgt Amelung bis in die kleinsten Feinheiten. Eine gelungen musizierte Rekonstruktion.

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