Das passiert nicht oft

- Ein Detail, kein unwichtiges, doch irgendwie war es dem Oberbürgermeister und dem künftigen Chefdirigenten entfallen. Kurzes Blättern beider im gerade unterschriebenen Vertrag - mit Erfolg: "In der ersten Saison 18 Konzerte, 2005/06 dann 21, ab 2006/07 schließlich 30", verkündete Christian Thielemann lächelnd. Schuld an der Staffelung sei das neue Bayreuther "Ring"-Projekt, dass vor allem 2006 seine starke Präsenz auf dem Grünen Hügel erforderlich mache.

<P>Gestern, am frühen Abend, markierten die Unterschriften des Pultstars und Christian Udes den Schlusspunkt unter fast eineinhalbjährige Verhandlungen. Ab September 2004 leitet Thielemann nun definitiv als Generalmusikdirektor die Münchner Philharmoniker, zugleich bleibt er Chefdirigent der Deutschen Oper Berlin. </P><P>Der 44-Jährige schwärmte von der Zusammenarbeit mit den Philharmonikern ("So etwas passiert nicht oft"), wollte sich allerdings zu seiner Programmkonzeption nicht konkret äußern. Nur so viel: "Ein Orchester dieser Qualität muss in allen Sätteln fest sitzen." Man werde indes "nicht falsch enzyklopädisch denken". Und: "Wir machen hier nicht den großen Gemischtwarenladen."<BR><BR>Fest steht für Thielemann, dass er nicht mehr auf allen musikalischen Hochzeiten tanzen wird, auch, dass er kein weltweit umherjettender Künstler sein will: "Ich musste mich von einigen Dingen trennen, um Stabilität in meinen Kalender zu bekommen." Er könne sich auch Wochen ohne Dirigieren vorstellen. Zeit, die er brauche, um Partituren zu lernen. "Ich bin nicht der Typ, der den Ehrgeiz hat: Heute hier, morgen dort. Da sind die Leute bei mir an der falschen Adresse, die meinen, ich sei der große Workoholic." <BR><BR>Kulturreferentin Lydia Hartl sah sich gar in Aufbruchsstimmung versetzt: "Diese Entscheidung wird die Philharmoniker sehr viel weiterbringen." Und Christian Ude konnte sich einen Seitenhieb auf James Levines kurzes "Gastspiel" als Chefdirigent (ab Herbst 1999) nicht verkneifen: "Wir freuen uns auf längere Amtszeiten." </P><P>Thielemann habe mit seinen Forderungen, die Philharmoniker-Planstellen nicht unter 120 absinken zu lassen, "zu Gunsten des Orchesters" verhandelt. Der OB betonte, dass es gelungen sei, diesen Vertrag in Zeiten der Finanznot schließen. "Der Chefdirigent hat nun das bestmögliche Entrée."<BR><BR>Dass er es mit einem starken, meinungsfreudigen Pultstar zu tun bekommt, dürfte Ude spätestens gestern aufgegangen sein. Befragt, ob er wie in Berlin auch kulturpolitisch tätig werden wolle, meinte Thielemann viel sagend: "Wenn's sein muss. Ich bin ja nicht nur Gast."</P><P> </P>

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