Mit Passion

- Das weiße Taschentuch könnte für den jungen Geiger Nicolas Koeckert ebenso zum Markenzeichen werden wie für Luciano Pavarotti. Nur nutzt Koeckert es in etwas anderer Art, wie im jüngsten Konzert des BR-Symphonie-Orchesters unter Leitung von Sir Colin Davis im Herkulessaal zu erleben war. Dort präsentierte Koeckert das d-moll-Violinkonzert von Jean Sibelius mit geradezu halsbrecherischer Geläufigkeit. Mit Energie und virtuos gestaltete er den ersten Satz und glänzte in dessen beiden Kadenzen durch brillante Fingerfertigkeit.

<P>Mit Passion entwickelte er die Solo-Kantilene im zweiten Satz und spielte die im virtuos überschäumenden Finale geforderten Oktavdoppelgriffe mit verblüffender Leichtigkeit.<BR>Doch der Hang zum dezent effekthascherischen Virtuosentum dominierte vor der eher unterkühlten Leidenschaft. Zwischen den Sätzen dann der Griff auf das Dirigentenpult, wo wohl platziert ein Taschentuch zum dezenten Trocknen der Hände lag. Die dritte Ysaye-Sonate "Ballade" als Zugabe war für Koeckert von Technik und Tempo geradezu ideales Spielmaterial.</P><P>Eingebettet war Sibelius zwischen zwei Werke von Mendelssohn Bartholdy: die "Hebriden"-Ouvertüre und die dritte Symphonie ("Schottische"). Ein Abend also, der mit wunderbar dunklen Klangfarben aufwartete, inspiriert von Meer und Natur. Davis entlockte mit ausladend schwungvoller Geste in den "Hebriden" dem Orchester ein samtiges, vital-enthusiastisches Stimmungsbild der nordischen Landschaft. Die facettenreiche "Schottische" dirigierte der mittlerweile 77-Jährige insgesamt mit pulsierender Rhythmik und Beweglichkeit.</P>

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