Passion für Dresden

- Der Romano Guardini Preis wird am 2. Oktober an den polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki verliehen. Und trotz dicht gedrängter, internationaler Termine fand Penderecki zwischen Peking und New York Zeit, an der Pressekonferenz der Katholischen Akademie in Bayern teilzunehmen. Der mit 5000 Euro und einer Silbermedaille dotierte Preis wird seit 1970 in Erinnerung an den bedeutenden Religionsphilosophen, Theologen, Pädagogen und Literaturinterpreten für "Verdienste um die Interpretation von Zeit und Welt auf allen Gebieten des geistigen Lebens" verliehen.

<P>Da die religiöse Musik im kompositorischen Schaffen Pendereckis eine ganz große Rolle spielt, war er ein Idealkandidat. Penderecki selbst bekennt, keine besondere persönliche Beziehung zu Guardini zu haben: "Ich glaube, ich bekomme den Preis dafür, dass ich mein ganzes Leben lang geistliche Musik geschrieben habe in einer Zeit, Mitte der 50er-Jahre, in der in Polen geistliche Musik verboten war." Das erste Stück, das auch verlegt wurde, schrieb er bereits als Student: "Aus den Psalmen Davids". Die geistliche Musik, so der Komponist, ziehe sich dann durch sein ganzes Leben, dafür sei er bekannt - "obwohl diese nur ein Viertel meines Schaffens einnimmt".</P><P>Das Verbotene hat Penderecki stets gereizt, und Kompositionsaufträge animierten ihn, immer weiter geistliche Musik zu schreiben. So wurde dies für ihn zur Tradition. Als Karel Wojtyla zum Papst ernannt wurde, komponierte Penderecki spontan ein "Te Deum". "Ich schreibe einfach, weil mich die Bibeltexte, mit denen ich groß geworden bin, faszinieren. Und immer, wenn ich ein Stück beende, sage ich mir: "Danach ist Schluss, ich schreibe keines mehr. Dann kommt aber meist wieder ein neuer Anlass oder eine Idee."</P><P>Beispielsweise arbeitet er, was er in München erstmals öffentlich bekannt gab, anlässlich der Wiedereröffnung der Dresdner Frauenkirche an einer Auftragskomposition. Nach eigenen Worten kann er dafür kein Streichquartett schreiben. Er denkt vielmehr an eine Passion, obwohl ihm das nach seiner 1966 geschriebenen "Lukas-Passion" schwierig erscheint.</P><P>1959 kam Penderecki erstmals nach Deutschland zu den Donaueschinger Musiktagen, und seitdem ist Deutschland wichtig für seine Karriere. Der Preis bedeutet ihm in erster Linie Anerkennung. "Es ist das erste Mal, dass ich von einer katholischen Akademie oder katholischen Organisation einen Preis bekomme. In Polen bisher nicht, dort gibt es kein Interesse für ernste zeitgenössische Musik mehr. Wir haben leider in der Kirche keine solche Traditionen wie in Deutschland."</P>

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