Passion und Virtuosität

- Mit dem Orchesterkonzert im Herkulessaal fand der 53. Internationale Musikwettbewerb der ARD seinen eigentlichen Abschluss. Mag die Atmosphäre für die Preisträger nach Beendigung der Durchgänge entspannt gewesen sein, hier mussten die beiden Zweitplatzierten der Fächer Flöte und Harfe und die Sieger der Kategorie Flöte und Viola nun vor laufender Kamera, begleitet vom Symphonieorchester des BR unter Günter Herbig, nochmals ihre Preiswürdigkeit unter Beweis stellen.

<P>Der Auftakt wurde dem deutschen Flötisten Pirmin Grehl (zweiter Preis) mit Mozarts D-Dur-Rondo KV Anh. 184 (KV 373) überlassen, der den leichten Tonfall mit feinem Spielansatz und klanglicher Ausgewogenheit wiedergab. Mehr Entfaltungsmöglichkeit als bei Mozart hatte Nabila Chajai im Harfenkonzert op. 25 von Alberto Ginastera. Mit zurückhaltender, dennoch effektvoller Passion präsentierte sich die Französin marokkanischer Abstammung als wunderbare Interpretin eines Stückes, das alle Facetten des virtuosen Umgangs mit diesem kompakten, zugleich filigranen Instrument abverlangt.</P><P>Was die Präsentation der Erstplatzierten in den Fächern Flöte und Bratsche anbelangt, so scheinen diese aus gänzlich unterschiedlichen Welten zu kommen. In jeder Hinsicht makellos, mit weich-samtigem Ton, bot Magali Mosnier das Konzert für Flöte und Orchester von Jacques Ibert. Doch die Französin spielt bereits in einer anderen Liga - und genau deshalb wirkt ihre Interpretation unterkühlt und allzu äußerlich. Seit letztem Jahr ist sie Soloflötistin des Orchestre Philharmonique de Radio France. Das lässt sie in ihrem Auftreten und Spiel zu deutlich werden, hier offenbart sich die Diskrepanz zwischen bloßem professionellem Solistentum und wirklicher Virtuosität.</P><P>Der wahre Gewinner des Abends und damit ein ausgesprochen würdiger erster Preisträger ist der französische Bratscher Antoine Tamestit. Noble Tongebung, Intonationssicherheit und zurückhaltender Souveränität: Alfred Schnittkes Konzert für Viola und Orchester wurde zu einem berührenden Klangerlebnis. Ein großes Kompliment gebührt Dirigent Günter Herbig und den BR-Symphonikern für ihren professionell-angenehmen Umgang mit den jungen Musikern.<BR></P>

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