Zu den Passionsspielen werden insgesamt fast eine halbe Million Zuschauer erwartet. Hier eine Szene mit Jesus-Darsteller Frederik Mayet. Foto: ap

Passionsspiele: Jetzt ist der Euro-Kurs wichtig

Oberammergau - Jesus stirbt in Oberammergau wieder den Kreuzestod. Lange hatte es den Anschein, als ob die Besucher aus den USA - traditionell große Fans der Passionsspiele - ausblieben. Doch der schwache Euro könnte dies jetzt ändern.

Werner Herrlinger interessiert zurzeit vor allem eines: der Kurs des Euro. Seit die europäische Währung gegenüber dem US-Dollar schwächelt, richten sich die begehrlichen Blicke des Verkaufsleiters der Oberammergauer Passionsspiele auf den US-amerikanischen Reisemarkt. „Der schwache Euro begünstigt das Buchungsverhalten in den USA“, freut sich Herrlinger, „die Bestellungen ziehen wieder an.“ Noch bis zum 3. Oktober wird in dem oberbayerischen Alpendorf das Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi gegeben. Zu den gut 100 Aufführungen werden fast eine halbe Million Zuschauer erwartet. Die Gemeinde hofft auf einen Reingewinn von 28 Millionen Euro. Dazu braucht es aber eine hohe Auslastung des fast 5000 Plätze fassenden Theaters. Und die schien gefährdet, nachdem aus den USA an die 80 000 vorbestellte Arrangements mit ein oder zwei Übernachtungen zurückgegeben wurden. „Genau diese Nachfrage hat aber jetzt wieder angezogen“, erläutert der Verkaufschef.

Schuld ist der Euro. Sein Kurs verlor zuletzt spürbar gegenüber dem US-Dollar. Im Jahr 2008 - damals liefen die Planungen für den Kartenvorverkauf an - war 1 Euro bis zu 1,55 Dollar wert, derzeit pendelt er deutlich niedriger bei 1,22 Dollar. Die Folge: Eine Reise zur Passion wird für US-Amerikaner billiger. Das dürfte vor allem die Hoteliers in Oberammergau und Umgebung freuen. Sie wären die Hauptverlierer, sollten die traditionell zahlungskräftigen Gäste aus den USA tatsächlich ausbleiben. Schon hatten sich etliche Besitzer der Hotels und Gästehäuser darauf eingestellt, ihre Betten an Urlauber zu vermieten, die nicht an den Passionsspielen interessiert sind.

Auf der riesigen Freilichtbühne des Theaters steigt indessen die Stimmung. „Nicht dass wir schlechte Laune gehabt hätten“, erläutert Frederik Mayet, der in Personalunion einer der beiden Christus-Darsteller und Pressechef der Spiele ist. „Aber das schlechte Wetter der ersten Wochen hat schon ein wenig aufs Gemüt gedrückt.“ Zur Erinnerung: Bei der total verregneten feierlichen Premiere fror Jesus-Darsteller Mayet halbnackt am Kreuz bei wenigen Grad über null. Nach einem Monat Spielzeit laufen die Vorstellungen routiniert und ohne nennenswerte Pannen, wie Mayet versichert. „Sicherlich kommt mal ein Spieler zu spät auf die Bühne oder hat einen Aussetzer, aber das ist beim Theaterspielen normal.“ Und dass mitten in einer bewegenden Szene durch die nach oben offene Bühne plötzlich die Feuerwehrsirene aus dem Nachbardorf zu hören ist, „gehört auch zum Freilichttheater“.

Für selbst verschuldete Pannen gibt es ein „Sündenregister“. Wer einen Satz vergisst, muss fünf Euro in die Kasse zahlen, ein Satzdreher kostet zwei Euro. „Auch ein vergessenes Kleidungsstück schlägt mit fünf Euro zu Buche“, verrät Frederik Mayet. Das Geld wird an spielfreien Tagen etwa bei Grillfesten „verbraten“.

Von Paul Winterer

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