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Entsetzen nach der Absage der Passion 2020 wegen Corona: Spielleiter Christian Stückl (re.) und Werkleiter Walter Rutz.

Das BR Fernsehen zeigt „Oberammergau im Ausnahmezustand“

Wie die Passion verschoben wurde

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Am 16. Mai hätte in Oberammergau die Premiere der Passion stattfinden sollen. Wegen Corona wurde das Spiel auf 2022 verschoben. Der BR hat die Vorbereitungen seit 2018 mit der Kamera begleitet. Nun ist die Dokumentation „Oberammergau im Ausnahmezustand“ zu sehen. 

Seit zwei Jahren haben sie darauf hingearbeitet, haben ihr Leben auf den 16. Mai ausgerichtet: An diesem Samstag wäre in Oberammergau Premiere der Passion gewesen. Doch wie berichtet, hat das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen vor zwei Monaten das „Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“ untersagt: Zu groß ist das Ansteckungsrisiko bei rund 5000 Besuchern pro Tag aus aller Welt und knapp 2000 Laiendarstellern auf der Bühne. Neuer Premierentermin ist nun der 14. Mai 2022.

Bislang gibt es nur wenige Bilder von der Inszenierung zu sehen.

Die Absage traf das Dorf mit aller Wucht, eine Vollbremsung bei Vollgas. „Für Oberammergau ist die Passion das Salz von der Brezn“, sagt Jesus-Darsteller Rochus Rückel lapidar – spätestens mit der Absage wird klar, wie wahr der Satz ist. Denn es sind Bilder, die keinen kaltlassen in Jutta Schöns Dokumentation. Die Regisseurin hat die Vorbereitungen seit 2018 begleitet. Natürlich ist ihre Kamera auch dabei, als Christian Stückl unter Tränen die Verschiebung bekannt gibt, bevor dem Spielleiter die Stimme ganz wegbricht, „Tschuldigung“. Das BR Fernsehen zeigt „Oberammergau im Ausnahmezustand“ am Montag, 18. Mai, um 21 Uhr; in der BR-Mediathek ist der 45-Minüter bereits zu sehen.

Für die Passion 2022 startet der Vorverkauf am 5. Oktober 2020

Dramaturgisch folgt der Film einem Countdown, los geht’s mit der Spielerwahl im Oktober 2018. Einblendungen informieren fortan über die jeweils verbleibende Zeit bis zur Premiere. Natürlich wussten die Macher beim Schneiden des Materials, dass es heuer keine geben wird. Es ist denn auch die einzige Kritik, dass die Off-Kommentare ein, zwei Mal zu oft pathetisch ins Tremolo rutschen à la „Noch ahnen sie nicht, dass...“. Die Stärke des Films ist die Wahl der Protagonisten: Ob es Barbara Lampe ist, die in ihrer Töpferei die Tonkrüge fürs Spiel herstellt, Monika Lang, die einst mit anderen das Frauenspielrecht erstritt, oder Werkleiter Walter Rutz, der anschaulich erläutert, wie viel Arbeit jenseits der künstlerischen in der Passion steckt. Ihre Erzählungen und Beobachtungen führen den Zuschauer tief hinein ins Dorf, seine Passion und deren Historie. Und schließlich hat Schön Szenen aufgenommen, die geradezu prophetisch anmuten: „Über was lacht Gott?“, fragt Spielleiter Stückl einmal, lang vor der Absage. „Über Planung.“ Zum Glück wird in Oberammergau dennoch weiter geplant: Der Vorverkauf für 2022 startet heuer am 5. Oktober.

Die nächste Probe für die Passion findet im Dezember 2021 statt

Im Film ist auch zu sehen, wie sich Stückl nach einem Probentag von den Darstellern verabschiedet: „Bis zur nächsten Probe.“ Sie findet im Dezember 2021 statt.

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