Sie passten nicht ins Schema

- "Expressiver Realismus, Malerei der verschollenen Generation", nannte Rainer Zimmermann 1980 sein Buch über höchst achtbare Könner, die 1933 noch zu jung waren, um bereits Berühmtheit erlangt zu haben, und nach 1945 teils im Abseits standen, weil sie nicht ins Schema passten. Übernommen wurde dieser Titel für eine Ausstellung von 16 Künstlern, die vorwiegend um 1900 geboren wurden, in der Rosenheimer Städtischen Galerie (auch das Penzberger Stadtmuseum widmet sich jetzt diesem Jahrgang). Die Konzeption dieser Schau stammt von dem Rosenheimer Bildhauer und Maler Rolf Märkl.

<P>Teils sind es Wiederbegegnungen, teils überraschende Funde von einiger Bedeutung. Saal 1 gehört zwölf großformatigen Kohlezeichnungen Otto Pankoks. Sie entstanden durchweg 1937, als der zumal mit Zigeunerbildern missliebig gewordene Künstler in Törwang Zuflucht suchte vor den Repressalien der Düsseldorfer NS-Behörden. Er begegnete den Wirbelwinden im Hochgebirge und dem Licht aus dem Gewölk, er zeichnete den "Mond über dem Moor" und entlegene kleine Kirchen mit ihren Friedhöfen, Mensch und Tier. Wegen seiner Farbenblindheit beschränkte sich Pankok auf reich nuancierte Grauwerte, auf Schwarz und Weiß.</P><P>Märkl bevorzugte in seiner Auswahl, damit kein Durcheinander entstand, verfügbare Zyklen und Motivreihen. Bei Franz Gebhardt-Westerbuchberg sind es die überschwärzten, in überdeckten Formrätseln erschließbaren spanischen Landschaften, bei Joseph Mader die winterlichen Gouachen mit dem Leben der Tiere im Schnee, bei Leo von Welden die Gespräche, Begegnungen und Betroffenheiten lang gewandeter Sonderlinge in düster malerischen Vermischungen. Die Caspar-Schule ist mit den energisch geführten Farbstrukturen Karl Meisenbachs vertreten und mit Landschaften Alfons Epples. Tierbronzen und Zeichnungen Fritz Wrampes, den die Geliebte 1934 aus Eifersucht erschoss, besorgte Märkl zusammen mit "Totentanz"-Blättern Arno Königs aus dem Pavoldinger Nachlass Heinrich Kirchners. Fast alles Gezeigte entstammt ohnehin den Nachkriegsjahrzehnten.<BR><BR>Bis 7. September, Telefon 08031/ 36 14 47.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker setzen ihren Bruckner-Zyklus mit der Achten fort. Eine Enttäuschung.
Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Christine Nöstlinger ist gestorben
Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Freitag der Residenz-Verlag in Wien. 
Christine Nöstlinger ist gestorben
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Das ist auch eine kulturpolitische Entscheidung mit Blick auf den Konzertsaal: Mariss Jansons bleibt seinem Orchester ungewöhnlich lang erhalten.
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland
Earth, Wind & Fire haben bei ihrem Konzert in der Toolwood-Arena eine mitreißende Show geliefert. Disco kann so einfach sein, findet unser Redakteur - eine Nachtkritik.
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.