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Patti Smith.

Kritik

Patti Smith voller Energie beim Konzert in München

München - Patti Smith könnte größere Hallen füllen. Dennoch tritt sie in der alten Kongresshalle in München auf, die natürlich ausverkauft war. Ihr Publikum verschont sie nicht - im positiven Sinne. Eine Kritik.

Der Tag an dem Patti Smith entschied, kein Popstar sein zu wollen, ist bekannt. Es war der 10. September 1978, als sie in Florenz vor über 50 000 Fans das größte Konzert ihrer Karriere spielte. Ihr Album „Easter“ war ein kommerzieller Erfolg und mit „Because the night“ hatte sie sogar einen Radiohit. Und es gefiel ihr nicht.

Sie verschwand aus der Öffentlichkeit und als sie vor einem Vierteljahrhundert wieder zurückkehrte, war sie kein Popstar mehr – sie war eine Hohepriesterin des Rock mit einem klaren Auftrag. Sie wollte ihre Kunst unter die Menschen bringen. Das sollte man wissen, um zu verstehen, was da vor sich geht, wenn die 67-Jährige heute Konzerte gibt. Sie will ihre Musik spielen, aber sie will den Menschen dabei in die Gesichter blicken können, mit ihnen in Kontakt treten. Also spielt sie in München in der ausverkauften alten Kongresshalle, obwohl sie mühelos größere Säle füllen könnte.

Zum Glück für das Publikum, denn die ungeheure Energie, die Aura, das Charisma der Frau aus nächster Nähe zu erleben ist ein echtes Erlebnis. Anfangs klingt das eher nach entspanntem Zusammenkommen, aber spätestens mit dem rotzigem „Free Money“ von ihrem Debütalbum wird klar: Patti Smith ist nicht milder geworden. Sie prügelt ihre wütenden Verse immer noch mit dieser unglaublichen Stimme in den Saal und lebt ihre Lieder regelrecht. Am Ende lässt sie mit einer wunderbar lärmenden Version von „Rock’n’Roll Nigger“ den Saal implodieren und verabschiedet sich nach zwei intensiven Stunden.

Man bleibt fassungslos zurück: es ist nichts weniger als ein Wunder, was diese Frau da in jedem einzelnen Konzert vollbringt. Der ebenso verblüffende wie leise Höhepunkt des Abends ist ein gutes Beispiel für das erstaunliche Talent von Patti Smith: sie spielt John Lennons „Beautiful Boy“ und widmet es dem verstorbenen Robin Williams. Ganz unprätentiös, ohne Sentimentalität, aber mit viel Seele in der Stimme. Und die Menschen im Saal hängen mucksmäuschenstill an den Lippen der Hohepriesterin, die immer die richtigen Worte findet – und wenn es die von jemand anderem sind.

Zoran Gojic

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