Paul Baum: Lyriker des Unscheinbaren

Dachau - Die Dachauer Gemäldegalerie zeigt die sensiblen Landschaftsbilder des deutschen Impressionisten Paul Baum.

Landschaften am liebsten im Vorfrühling, an sonnigen Sommertagen oder im Spätherbst, wenn das Filigran des Astwerks den Blick freigibt auf die Lichtfarben der klaren Formationen des Hintergrundes. Hohe Himmel über wässrigen, düsteren Landschaften in Mecklenburg, an der Ilm bei Weimar oder im Dachauer Land, in Holland oder an der Unterelbe. Unscheinbare Behausungen, ganz selten mal ein Mensch als zugehörige Staffage.

Der aus Meißen stammende, an der dortigen Porzellanmanufaktur sowie in Dresden und Weimar einst geschulte Paul Baum (1859-1932) ist unter allen, meist weit berühmteren deutschen Impressionisten der sensibelste Lichtmaler, ein feinsinniger Lyriker des Unscheinbaren, ein Poet des Abgelegenen. Die Dachauer Gemäldegalerie widmet Paul Baum auf der Basis des reichhaltigen Bestandes der Kasseler Museen und namhafter Privatsammlungen eine Retrospektive. Sie lässt uns nachdenken über das Missverhältnis zwischen Berühmtheit und wahrer Substanz - in allen Zeiten bis zum heutigen Tage.

Zum Vergleich angeboten werden die Phasen der Weimarer spätromantischen Schule einer zum Realismus strebenden Malerei im Sinne der Schule von Barbizon, wobei Charles Daubigny mit seinem Licht-Duktus auf Paul Baum den stärksten Eindruck machte, sodann der von Dresden nach Dachau gebahnte Weg zur Freilichtmalerei, schließlich die Zeit der unmittelbaren Begegnung mit den spätimpressionistischen Pointillisten Henry van de Velde, Théo van Rysselberghe und Camille Pissarro.

In der hessischen Künstlerkolonie Willingshausen, als Lehrer an der Kasseler Kunstakademie und schließlich in der Toskana bei San Gimignano, wohin er 1927 umzog, fand Paul Baum schließlich die Erfüllung als Meister des Farblichts. In einer Zeit der immens wachsenden Großstädte und der sich ausdehnenden Industrialisierungen fand Paul Baum auf allen seinen Wegen das unbeschädigte Klima einer angestammten Zugehörigkeit.

Das flirrende Licht an der Küste der Insel Capri (1899), die Sonne des Spätherbstes in Taormina, eine flämische Dorfstraße und eine Vorfrühlingslandschaft bei Weimar (1894) atmen dieselbe Qualität einer Licht-Poesie wie ein zeitiges Frühjahr bei San Gimignano (um 1913). In Dachau findet Paul Baum ein Publikum, das dergleichen zu würdigen weiß.

Bis 8. Juni 2008, Dienstag bis Freitag 11 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 13 bis 17 Uhr

Tel 08131/ 56 75-0

Katalog: 2,50 Euro.

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