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Rund 20.000 Fans pilgerten nach Veranstalterangaben auf den Münchner Königsplatz, um Paul Kalkbrenner zu hören.

Konzertkritik

DJ Kalkbrenner auf dem Königsplatz: Regen und Bass

München - DJ Paul Kalkbrenner legte am Sonntag unter freiem Himmel auf dem Münchner Königsplatz auf. Das Konzert wurde beherrscht von Regen und Bass.

Ein durchsichtiges Stück Plastik, drei Löcher, eines für den Kopf, zwei für die Arme, an einem Abend wie diesem? Unbezahlbar. Drei Euro verlangen sie am Sonntag auf dem Münchner Königsplatz für Regencapes. Geld, das gut investiert ist, zumindest für die, die leichtsinnig genug waren, ohne Schirm und wasserdichte Jacke zu Paul Kalkbrenner zu kommen.

Für den Berliner House- und Techno-DJ sollte es ein großer Tag werden, vielleicht der größte seiner Karriere: Rekordverdächtige 20 000 Menschen strömen zum Freiluft-Gig, der Veranstalter meldet „ausverkauft“. Doch dann kommt der Regen. Und wenn der Abend ein unvergesslicher bleiben wird, dann nicht, weil „Paule“ ein sensationelles Set gespielt hätte sondern, weil nicht mal ihre Unterhosen trocken geblieben sind.

Dabei hat alles wunderbar angefangen: Als Kalbrenner um 19.58 Uhr die Bühne betritt, hat es gerade aufgehört zu schütten. Es scheint, als habe er die Regenwolken einfach weggefegt. Der durch den Film „Berlin Calling“ bekannt gewordene DJ startet gemächlich, er hat noch drei Stunden Programm vor sich. Auf Monitoren kann man ihn beobachten, wie er seinen minimalistischen Sound am Mischpult mixt und mit seiner Laptop-Maus herumklickt.

Für den Laien wird dabei kaum ersichtlich, woher der Beat stammt und wofür er gerade an dem oder jenem Regler dreht. Egal, Hauptsache, der Bass stimmt. Kalkbrenner spielt vor allem eigenes Zeug, alles vom Computer, und so wirkt sein Set mitunter, als doktere er an einer vorgebauten Playlist herum. Ein Eindruck, der dadurch verstärkt wird, dass er immer wieder Pausen zwischen den Stücken einbaut, ungewöhnlich für ein DJ-Set.

Das alles wird ihm zum Verhängnis, als ein heftiger Schauer kurz vor 21 Uhr niederprasselt und sich die Zuschauer gerade in den hinteren Reihen unter Schirmen versammeln. Jetzt hätte Kalkbrenner es krachen lassen müssen, doch er hält sich strikt ans Programm, und das sieht gerade eben ruhige Klänge vor. Die Stimmung versackt, Zeit für ein Red Bull. Dass es anders geht, zeigt Kalkbrenner gegen Ende, als die Wolken wieder aufreißen, er einen mächtigen Wumms auflegt. Während die Türme der Propyläen von innen mit Stroboskopen beleuchtet werden, tun einige Kalkbrenner-Fans, als wären sie auf einem Sommer-Festival: sie ziehen die T-Shirts aus und tanzen einfach weiter. So, wie es hätte sein sollen.

Thierry Backes

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