Interview mit Pavol Breslik über seinen Auftritt in der Elbphilharmonie

„Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“

Hamburg - Er hatte beim Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie unter den Solisten die härtesten Nüsse zu knacken. Tenor Pavol Breslik veredelte nicht nur die Uraufführung von Wolfgang Rihms Orchesterliedern, er sang auch im Finale von Beethovens Neunter. Zeit für ein Interview am Tag danach fand er trotzdem.

Wie wirkt die Akustik von der Bühne aus?

Pavol Breslik: Ich habe ein wirklich gutes Gefühl gehabt. Man hört alles, also kann man auch alles ausprobieren. Wolfgang Rihm, der krank ist und den Abend am Fernseher verfolgte, rief mich danach an und machte mir ein Kompliment, das hat mich glücklich gemacht.

Wie geht man mit einem neuen Saal um? Holt man sich Ratschläge vom Dirigenten?

Pavol Breslik: Wir haben sehr fleißig gearbeitet, schon seit dem 6. Januar, und das täglich. Wenn ich nicht dran war, habe ich mich während der Proben an verschiedene Stellen im Saal gesetzt. Anfangs ist man natürlich platt. Als ich das erste Mal hereinkam, dachte ich mir: Mein Gott, ist das schön! Und mein zweiter Gedanke war: Okay, es hat ja auch einiges gekostet...

Ähnelt der Klang einem anderen Saal?

Pavol Breslik: Die Atmosphäre ist hier sehr besonders, ich will die Elbphilharmonie gar nicht vergleichen. Ich weiß nur, dass es zum Beispiel im Münchner Gasteig ganz schrecklich ist. Eine Körperdrehung zur Seite, und ein Teil des Publikums hört nichts mehr. Sicher ist es in Hamburg ein Problem, wenn die Menschen hinter den Solisten sitzen, das haben mir Bekannte bestätigt.

Pavol Breslik

Sie haben also den Eindruck, dass der Saal dem Sänger auch etwas zurückgibt?

Pavol Breslik: Oh ja. Die Stimme wird gut reflektiert. Man kann das Publikum auch genau beobachten. Man sieht Besucher, die konzentriert folgen, und andere, die offenbar daran denken, ob sie ihren Herd daheim ausgemacht haben.

Die Irrsinnserwartung weltweit, die Live-Übertragung – wie hält man das aus?

Pavol Breslik: Der Druck war schon wahnsinnig groß. Den ersten Teil, als ich noch nicht dran war, habe ich vom Hotel aus im Fernsehen verfolgt, das Westin ist ja im selben Gebäude. Irgendwann fand ich das komisch: Ein Konzert, an dem ich beteiligt bin, und ich sitze gemütlich im Zimmer? Also bin ich in die Garderobe, um dichter dran zu sein. Und dann geht man raus und weiß: Alles schaut auf dich! Ich denke, Sie haben den Stein gehört, der danach von meinem Herzen gefallen ist. Was für ein Lärm! Beim Wiederholungsabend gehe ich mit leichterem Herzen auf die Bühne. Den kann ich genießen.

Das Gespräch führte Markus Thiel

Rubriklistenbild: © obs

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