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Ritter zu sein, ist nicht leicht: Markus Campana als Prinz Eisenherz, hier mit Johannes Klama (re.). 

Peer Boysen inzeniert "Prinz Eisenherz": Fantasie mit Hintersinn

München - In der Schauburg in München begeistert die Inszenierung des ersten Teils von "Prinz Eisenherz" durch Altmeister Peer Boysen. Prinz Eisenherz, der alte Haudegen, verzaubert sein Publikum.

Hat der - gar nicht mal so - alte Hexenmeister es doch wieder geschafft, uns das pure Wunder eines Theaterabends zu Füßen zu legen! Leute von zehn bis 90 sitzen davor, träumen sich in eine Sagen- und Märchenwelt, sind, wenn sie überhaupt mal eine Sekunde Zeit haben zur Reflexion, fassungslos über diese Fülle an Fantasie, Theatersinn, Humor, Frechheit der Mittel und denken, was sie immer schon wussten: Peer Boysen ist einer der besten deutschen Regisseure.

Geradezu absurd, dass unsere Staatstheater fahrlässig auf ihn verzichten, obwohl sie sich das allesamt nicht leisten können. Wetten, dass - Johan Simons von den Kammerspielen vielleicht ausgenommen - keiner der hochmögenden Groß-Intendanten den Weg in die Schauburg finden wird, um sich diesen „Prinz Eisenherz“ anzusehen, den ersten Teil einer auf mehrere Jahre konzipierten Umsetzung des Abenteuer-Comics von Hal Forster.

Das Publikum sitzt auf einer hohen Tribüne. In tiefer Dunkelheit geht’s los mit einem düsteren langen Ton, gegen das der Es-Dur-Rheingold-Beginn ein Klacks ist. Stimmen dringen ans Ohr: „Der König! Die Mutter!“ Die Musik schwillt an, Licht blitzt auf, Schläge donnern: Taison Heiß und Greulix Schrank von der Gruppe Portmanteau werden das ganze Stück über viel mehr als Untermalung sein. Sie sind Akteure, holen Geräusche aus allen möglichen Gegenständen, können Frösche, Ratten, Getier jeder Art imaginieren - faszinierend. Vier Schauspieler und eine ganze Artus-Tafelrunde von Puppen (Mano Giesen) bestreiten das Stück, das aus unendlich vielen Comic-Bänden von Boysen destilliert wurde. Die Bühne ist eine ovale, schräg gestellte - ja - Tischplatte, Tafelrunde eben mit vorn einem Loch für die Musik und ein bisschen Rasengrün, wo Tiere erscheinen, die der blutjunge Held, Prinz Eisenherz, auf alle Fälle mal totschlägt, darin ein echter Parsifal/Siegfried.

Markus Campana mit schwarzem Lockenkopf, angezogen wie ein Bruder vom Struwwelpeter, kommt ganz ohne die helmartige Prinz-Eisenherz-Frisur aus und verkörpert den jungen, ungeschliffenen „Helden“, der er werden will, mit einer bezwingenden, federleichten Frische. Mit leiser, dringlich-verfremdeter Sprache arbeiten Lucca Züchner als Königin und Fine Ehlert in dramatischem Rot als Ginevra. Das alles dient dazu, dem Comic das Plakative, Eindimensionale zu nehmen und seine tiefen Wurzeln in der jahrhundertealten Sage freizulegen. Und wenn Ginevra nach und nach alle weißen Berge (nichts als weiße Tücher) rund um die Tafel, die ja auch die Welt ist, aufdeckt und die ganze uralte Artusrunde in Puppengestalt mitspielt, ist man verzaubert von diesen brummelnden alten Haudegen und glaubt, die Schauburg beschäftige mindestens zwei Dutzend Schauspieler.

Wie immer bei Fortsetzungsgeschichten hört das Stück an der spannendsten Stelle auf. Wie’s mit der Liebesgeschichte von Prinz Eisenherz und der zarten Ilene weitergeht, erfahren wir erst nächstes Jahr. „Ein Jahr“, tröstet Boysen, geht ja schnell rum“.

Nächste Vorstellungen

Freitag und Samstag; Karten: 089/ 233 371-55.

Beate Kayser

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