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„Das ist mir lieber als herkömmliche Dreharbeiten“: Jack Black als Gulliver im Land der Mini-Menschen.

„Je peinlicher, desto lustiger“

München - Jack Black über Komik, Drehen auf nackter Studiobühne und seinen neuen Film „Gullivers Reisen“:

Seit seinem Durchbruch als manischer Plattenverkäufer in „High Fidelity“ (2001) galt Jack Black als „Mad Comedian“, und er pflegte das Image mit seinen entfesselten Auftritten auf und abseits der Leinwand. Beim Gespräch zu seinem neuen Film „Gullivers Reisen“ erscheint der 41-Jährige aber adrett frisiert, benimmt sich zivilisiert und antwortet sogar auf die Fragen, die man ihm stellt – das war nicht immer so. Er ist mittlerweile verheiratet und zweifacher Vater, die wilden Zeiten sind eben vorbei. Da geht es Jack Black, übrigens kein Künstlername, auch nicht anders als anderen. Er lacht übrigens sehr viel während des Gesprächs, eher ungewöhnlich für Komiker.

Wie kommen Sie zu einem solchen Familienfilm?

Es gab die Idee, Gullivers Reisen neu zu verfilmen, und ich wurde gefragt, ob ich es machen wolle. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das Buch nie gelesen hatte. Das holte ich nach und war sehr angetan davon. Swifts Humor gefiel mir, ich mochte immer schon Abenteuerfilme, also sagte ich zu.

Sie sind hier sogar als Produzent beteiligt. Haben Sie an der Auswahl der Besetzung mitgewirkt?

Das ist die Aufgabe des Regisseurs. Aber ich habe ihm eine Liste mit Leuten gegeben, mit denen ich auf gar keinen Fall arbeiten wollte. Das wäre eigentlich ein schönes Dokument für Wikileaks…

Sie spielen einen Riesen in einem Land voller Mini-Menschen. Das meiste davon entstand vor dem „Green Screen“, also vor einer grünen Leinwand auf einer nackten Studiobühne. Macht das Spaß?

Mir schon. In gewisser Hinsicht ist es mir fast lieber als herkömmliche Dreharbeiten.

Wie das?

Man hat die Freiheit, eine Szene unendlich oft zu wiederholen. Es ist im Grunde eine sehr selbstsüchtige Haltung. Ich kann alles Mögliche ausprobieren, und die Kamera sieht mir dabei zu. Wenn du mit berühmten Kollegen an einem normalen Set stehst, heißt es immer: Wir müssen zur nächsten Szene, also beeil’ dich.

Wie würden Sie Ihre Komik beschreiben? Woher wissen Sie, worüber gelacht wird?

Letztlich geht es um Demütigung: Wie bereit bist du, das eigene Ego zu überwinden und peinliche Situationen zuzulassen? Je höher die Bereitschaft, desto mehr Lacher erntet man.

Welche Komiker haben Sie inspiriert?

Der erste, an den ich mich erinnere, ist Peter Sellers. Gene Wilder mochte ich sehr. Und in letzter Zeit Jim Carrey, denn er hat die Komik im Kino revolutioniert. Vor Carrey hatten Komiker nicht annähernd die Bedeutung im Filmgeschäft, die sie heute haben.

Aber das ernste Fach wird doch immer noch höher geachtet.

Das stimmt. Dramatische Schauspieler bekommen mehr Respekt. Aber niemand sieht sich Filme mit, sagen wir, Sean Penn an. Alle sind sich einig: Er spielt brillant. Aber niemand will sich die Filme anschauen, weil sie einfach so langweilig sind. Ich persönlich mag sie.

Sie sind auch leidenschaftlicher Musiker. Was hat Priorität für Sie?

Selbstverständlich die Schauspielerei. Aber wenn ich nächstes Jahr wiederkomme, um Werbung für mein neues Album zu machen, werde ich natürlich sagen: die Musik.

Das Gespräch führte Zoran Gojic.

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