Signalstörung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

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Pendler zwischen Literatur und Politik

- Es ist schon eigenartig. Da muss der Autor fast 80 Jahre alt werden, damit er erstmals einen Roman in seiner Muttersprache verfasst. Der Spanier Jorge Semprún, der heute seinen großen Geburtstag feiert, veröffentlichte kürzlich ein Buch auf Spanisch.

<P>"Was ich in dem Buch erzähle, habe ich auf Spanisch erlebt. Da bin ich das Risiko eingegangen", sagt er. Bisher hatte Semprún, 1994 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet, dem Französischen den Vorzug gegeben. Der Grund: Als er seine ersten Romane schrieb, konnte er sie wegen der Zensur unter der Franco-Diktatur (1939-1975) nicht in Spanien veröffentlichen. </P><P>Semprún wurde als wichtiger Mann des Widerstands vom Regime verfolgt. Der neue Roman "Veinte años y un dí´a" (Zwanzig Jahre und ein Tag) handelt von seiner Zeit im Untergrund. Der aus einer angesehenen Madrider Familie stammende Autor ist ein Pendler zwischen Literatur und Politik. </P><P>1939 flüchtete er vor dem Franco-Regime nach Frankreich. Dort schloss er sich der Résistance gegen die Nazis an. 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald verschleppt. Die Deportation im Viehwaggon und die Gefangenschaft arbeitete er in den Romanen "Die große Reise" (1963) und "Was für ein schöner Sonntag" (1980) literarisch auf. </P><P>"Ich bin weder Schriftsteller noch Politiker. Ich bin nur ein Überlebender von Buchenwald", so Semprún. Politisch engagierte er sich zunächst für die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), organisierte unter dem Decknamen Federico Sánchez den Untergrundkampf gegen Franco und stieg ins Zentralkomitee der Partei auf. </P><P>1964 wurde Semprún wegen Abweichens von der Parteilinie aus der PCE ausgeschlossen. In dem Roman "Der zweite Tod des Ramón Mercader" rechnete er mit dem Kommunismus ab. 1988 nahm Spaniens Regierungschef Felipe González ihn als Kulturminister ins Kabinett auf. </P><P>Schon bald geriet er mit dem Parteiapparat aneinander und verlor 1991 sein Ministeramt. Semprún pendelte nicht nur zwischen Literatur und Politik, sondern auch zwischen den Ländern Spanien, Frankreich und Deutschland. Deutsch hatte er als Junge von seinen Kindermädchen gelernt. "Ich bin nicht vaterlandslos, ich habe mehrere Heimatländer zugleich." </P><P>In einem Europa der offenen Grenzen sollte dies nichts Außergewöhnliches sein. Dennoch eckte der Literat damit an. Bei seiner Ernennung zum Kulturminister hielten Kollegen ihm entgegen: "Bist Du überhaupt Spanier?" Und als er 1995 in die Académie Française aufgenommen werden sollte, wurden hinter den Kulissen Bedenken laut: </P><P>"Semprún hat doch einen spanischen Pass." Daraufhin zog der Autor seine Kandidatur zurück. Kürzlich veröffentlichte Jorge Semprún seinen ersten Roman auf Spanisch.</P>

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