Das perfekte Symbol

- Es sollte eine innovative und positive Geschichte werden, jetzt sorgt das Kreuz einmal mehr für Zwiespalt. Das alte Thema der Christenheit ist eben zugleich eines der komplexesten. Das Erzbistum München und Freising wollte wissen, wie ein Kreuz für das 21. Jahrhundert ausschauen kann und geriet mit seinen Wettbewerbs-Ergebnissen in heftige Kritik. Friedrich Kardinal Wetter prangerte ein Leuchtkreuz für ein Klassenzimmer an, das der Jury außerordentlich gut gefiel. Dass hier an den jeweiligen Festtagen auch der Davidsstern und der Halbmond aufleuchten sollten, wertete Wetter als eine Vermischung und Verletzung von Religionen. Wie man das auch immer sieht, Christoph Brech ist mit seinem Kunstwerk somit das Wichtigste überhaupt gelungen: Er regt zur Diskussion über Toleranz an.

48 weitere Variationen für sieben verschiedene Rahmenbedingungen tun es ihm teilweise gleich. Vor allem zeigt das Dommuseum Freising damit, dass es für das an sich perfekte Symbol immer wieder neue Interpretationen gibt: unter Wert präsentiert, aber eines intensiven Blickes würdig. Gute Beispiele dafür sind die Schulzimmer-Ideen von Lucia Dellefant und Stephanie Pelz. Ein Edelstahl-Kreuz als Spiegel und Pinnwand sowie eine kreuzförmige Schreibtafel bringen Religion mitten in den Alltag. Auch Thomas Stricker hat mit seinen Wechselrahmen einen greifbaren Ansatz gewählt, Zeitungstexte und T-Shirts sind die weiterführende Idee von Leo Zogmayer. Während sich hier also die meisten Künstler auf spritzige, lebensnahe Lösungen verlegen, sind die Bürokreuze nicht bei allen so kommunikativ. Werner Mallys dachförmige Skulptur machte hier das Jury-Rennen. Dabei zeugen aber eher Fotografien von Wegkreuzungen oder witzige Aktenordner-Skulpturen von neuen, aber sperrigen Ansätzen.

Plexiglas-Hoffnung

Das Kreuz fürs Krankenhaus soll Mut vermitteln. Herzskulpturen, feinste Drahtgespinste oder leuchtende Plexiglas-Hoffnung - das alles erwies sich für die Jury als unpraktikabel. Malte Lücks simple und kunstvolle, körpernah gedrehte Metallbänder ergeben einen annehmbaren Kompromiss aus Gegenstand, Abstraktion und Pragmatismus. Wesentlich mehr hätte der Patient aber von Angela Mayer-Spannagels teils beschrifteten Metallblättern, an denen man nicht so leicht vorbeikommt. Betont unauffällig wiederum die Entwürfe für die Wohnküche: Glas und Gold, puristische Holzform, plissierte Vasen - das kann es nicht sein. Auch Sonja Webers jurygefälliges Textilkreuz ist ausnehmend zivil. Viel subtiler könnte man mit Albert Utsch einen Gekreuzigten in den Putz einlassen oder mit Valentin Goderbauer aus Briefpapier oder Bierdosen kleine Pop-Up-Kreuze für die mobile Gesellschaft fertigen.

Bei Projekten für eine katholische Kirche gibt es keine Diskussion: Das Duo Empfangshalle (Corbinian Böhm, Michael Gruber) liefert mit Steinbrocken, scheinbar frei schwebend, die Bandbreite von Transzendenz bis Leid. Hier könnte allenfalls der durchscheinende, aber wohl zu federleichte Plexiglas-Verwandte von Georg Laschinger konkurrieren. Lichtsymbolik ist auch das Element für das Karfreitagskreuz in der Münchner Kirche St. Paul. Ob futuristische Leuchtarbeiten oder verkleidete Bäume, die Jury konnte sich zu keiner Empfehlung durchringen. Da hatte sie bei den Prozessionskreuzen für St. Joachim ein leichteres Spiel: Alle blieben schlichtweg kreuzbrav.

Bis 6. April, Katalog: 12,50 Euro, Tel. 08161/ 48 790.

Projekt für eine katholische Kirche: Das Duo Empfangshalle lässt Steinbrocken frei schweben.

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