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„Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“, lautet die Inschrift des Siegestors in München. Vor diesem Mahnmal hat die Künstlerin Mia Florentine Weiss ihre „LOVE“- und „HATE“-Skulpturen aufgestellt - als Appell, den Hass in Liebe zu verwandeln.

Performance-Kunst zum „Faust“-Festival in München:

Liebesgrüße aus Stahl

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Die Performancekünstlerin Mia Florentine Weiss hat am Münchner Siegestor die Skulpturen „LOVE“ und „HATE“ aufgestellt - als Statement für eine friedvolle Welt.

Jetzt mal Tacheles. #MeToo kann keiner mehr hören? Schön, Mia Florentine Weiss auch nicht. Konnte sie noch nie. „Ich auch“, das klinge nach Opferrolle. Diese Frau hat keine Lust auf Opfersein. „Deswegen ist mein favorisiertes Hashtag: #fuckback“, sagt die 37-Jährige. Ohne verlegenes Klein-Mädchen-Lächeln, voller Selbstbewusstsein.

Mia Florentine Weiss, Tochter einer – der Name verrät es – Künstlerin und selbst ein Gesamtkunstwerk. Sie ist Kämpferin für Menschenrechte, Kosmopolitin, Performancekünstlerin, Feministin, bespielt mitreißend alle digitalen Kanäle, ist Mutter, Partnerin. Und wunderschön. Wären ihre Performances auch so erfolgreich, wäre sie nicht diese große, Gazellen-agile, blonde Erscheinung? „Ach, es gibt so viele schönere Künstlerinnen als mich“, wiegelt sie ab, ohne jede Koketterie. Aber klar, spannend sei die Frage, was wäre, wäre sie etwa ein Mann. Wie würde ihre Kunst wahrgenommen?

Gäb’s die Möglichkeit, Weiss wäre eine der Ersten, die den Rollentausch probieren würde. Sie lässt nichts aus. Ihre Biografie liest sich wie die von zehn Leben. In Würzburg geboren, in Deutschland und Moskau aufgewachsen, nach dem Abi Praktikum in Russland, Weltreise, Studium an der Mode-Akademie in Hamburg, Umzug nach New York, Reisen nach Afrika, Schauspielstudium in Berlin, und heute? Ein Künstlerleben zwischen Berlin, Frankfurt, Los Angeles. Mit Sohn und Mann. Luftholen.

Frühlingsgefühle in München: Diesen liebevollen Moment vor dem Siegestor haben Inse Hanusch und Yannick Schön in ihrem Foto festgehalten.

Woher nimmt sie die Energie? „Ich brauche das. Ich brauche das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst.“ Seit zwei Wochen stehen im Rahmen des „Faust“-Festivals am Münchner Siegestor ihre zwei Ambigramm-Skulpturen, die von der einen Seite als „LOVE“, von der anderen als „HATE“ gelesen werden. Zwei Wörter, die ihr Leben antreiben. Der dahinterstehende Wunsch, den Hass auf der Welt in Liebe umzuwandeln. Tattoos auf ihren Unterarmen erinnern daran. Links „Love“, rechts „Hate“. Darunter pulsiert das Leben.

„Ich glaube, dass wir viel stärker sind, als wir glauben, dass man vor nichts Angst haben muss und dass es immer eine Lösung gibt“, sagt diese starke Frau, die in einem halbstündigen Gespräch dreimal den Kategorischen Imperativ herunterspult. „Handle nur nach  derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ – sie lebt das   in   jeder  Sekunde. Wenn sie beispielsweise mit ihrer Pegasus-Skulptur, einer 400 Kilo schweren Dermoplastik eines weißen Pferdes mit einer Flügelspannweite von fünf Metern, den Flüchtlingswegen übers Meer nach Europa folgt. Eine Performance-Odyssee, auf der sie die Fragen von nationalen Grenzen, Flucht und Vertreibung erforschte. Immer wieder fand sie in all diesem Hass Liebe. „Da sind wir wieder bei Goethe – wenn du einen Gedanken freisetzt ins Universum, dann ist der schon so halb passiert. Wenn du dich traust, über das unmittelbar Gegebene hinauszufragen, wenn du dich auf alles Fremde einlässt. Nur so entsteht Veränderung!“ Neulich hörte sie mal wieder von jemandem den Satz: „Ich muss jetzt heim, weil ich morgen früh raus muss.“ Was für eine Aussage! „Wenn ich immer darauf geachtet hätte, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen muss, wäre in meinem Leben gar nichts passiert“, sagt sie lachend.

Ausschnitt aus „Das Muttertier“: Mia Florentine Weiss mit ihrem Sohn und Milchpumpe.

Es gibt da dieses Kunstwerk von ihr, das besonders gern gezeigt wird. „Muttertier“ heißt die Fotografie. Darauf zu sehen Weiss, nackt, an der einen Brust ihr Sohn, an der anderen eine Milchpumpe. Und um sie herum das Chaos. Einer Göttin gleich sitzt sie da – ein Bild, das die ganze Kraft, die in Frauen steckt, zum Ausdruck bringt. Die Fähigkeit, alles zusammenzuhalten. „Wir kommen aus dem Uterus und haben ein Urvertrauen, davon bin ich fest überzeugt. Dieses Urvertrauen gibt mir die Kraft, die ich im Alltag nicht habe. Als Künstlerin ist meine einzige Stabilität ja die Instabilität.“ Wie sagt Karl Valentin? „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ – Weiss ergänzt das um den Zusatz „macht aber richtig viel Arbeit“. Eigentlich sei es ein Wunder, dass Künstler überhaupt existierten. Warum sie es tun? „Wegen der Urmutter Natur, die über allem steht, der Urfrau, die gebiert.“ Ihre Botschaft an all die Frauen da draußen: „Auf dieses Urvertrauen zu setzen, dass du einfach alles schaffen kannst. Und daran nie zu zweifeln.“ Raus aus der Opferrolle, rein ins Leben.

Bis 31. Mai
stehen die LOVE/ HATE-Skulpturen am Siegestor.
Bei Hubert  Burda Media, Arabellastraße 23, läuft bis 30. April Weiss’ Schau „Memento Mori Munich“, Mo.-Fr. 9-18 Uhr; Eintritt frei.

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