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Peter Gabriel, hier tags zuvor in Frankfurt/Main.

Konzertkritik

Himmlisch: Peter Gabriel in der Olympiahalle

München - Einen fantastischen Auftritt legte Peter Gabriel am Mittwoch in der Münchner Olympiahalle hin - und zwar einen mit drei Gängen.

Die Olympiahalle als Gourmet-Tempel: Peter Gabriel kündigte den 11 000 Fans zu Beginn seines Auftritts in der Olympiahalle am Mittwoch ein Drei-Gänge-Menü an. Als Vorspeise servierte der 64-jährige Chefkoch eine Akustik-Session mit Probenraum-Flair und außergewöhnlicher Instrumentierung (etwa Come Talk To Me mit Shanty-Akkordeon und Shock the Monkey mit Lagerfeuer-Gitarre). Als Hauptspeise gab es ausgewählte Leckerbissen aus der Solokarriere des Pop-Pioniers in klassischen Arrangements – sie schmeckten den Fans besonders gut, weil sie nach der eigenen Jugend rochen. Als Nachspeise schließlich ein Meisterwerk: das komplette So-Album (mit dem fetzigen Soul-Kracher Sledgehammer und der ergreifenden Ballade Don’t Give Up) in der 1987er-Originalbesetzung um den eleganten Meisterschlagzeuger Manu Katché.

Die virtuosen Veteranen sprühen noch immer vor Spielfreude, während Gabriels unverwechselbare Stimme so kraftvoll und verletzlich tönt wie eh und je. Charmant erläutert der Brite zwischendurch auf Deutsch seine komplexen Song-Gebilde. Seine dreiteilige, klug aufgebaute Mammut-Werkschau ist kein normales Konzert, sondern ein Gesamtkunstwerk: Jedes einzelne Lied wird sorgfältig inszeniert, unter anderem mit einem ausgeklügelten Video- und Farb-Konzept oder mit fünf mobilen Scheinwerferkränen, die auf der Bühne kreisen wie glupschäugige Aliens und immer wieder (etwa in No Self Control) für bedrohliche Atmosphäre sorgen – irgendwo zwischen Walpurgisnacht und Weltuntergang.

So bietet Gabriels Gourmetküche faszinierendes Futter für Augen, Ohren und Hirn. Zu Red Rain ergießen sich Feuerfontänen über die Leinwände; bei Mercy Street liegt Gabriel auf dem Rücken wie ein Kind, bei The Tower That Ate People wird er von einem apokalyptischen Stoffturm verschluckt. Im Laufe der letzten Zugabe, der Gänsehaut-Hymne Biko, verlassen die Musiker der Reihe nach die Bühne, während die Fans den Refrain weiter singen – ein wunderschöner Abschluss für diesen grandiosen Konzertabend.

Marco Schmidt

So wirkt Musik auf unseren Körper

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