Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

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Verhängnisvolle Affäre: Iason (Sebastian Kohlhepp) begegnet Medea (Cornelia Ptassek).

PREMIERENKRITIK

„Medea“ in Stuttgart: Küchenpsychologie aus Korinth

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Regie-Altmeister Peter Konwitschny befasst sich in Stuttgart mit Cherubinis „Medea“ - und pegelt die Tragödie auf Kleinformatiges herunter.

Stuttgart - Rein von der Papierform her wäre das doch die ideale Paarung. Hier der größte Frauenversteher der Regie-Szene, der Anwalt der Ausgebooteten von Brünnhilde über Elektra bis Senta. Und dort Medea, deren kindsmordende, alles zerstörende Tat sich eben nicht so einfach als Amoklauf deuten lässt, sondern als letzte, unverzeihliche Konsequenz eines Frauenschicksals – das, so das Pikante, bei uns Zuschauern wie im Falle Wozzecks sogar Verständnis weckt.

Auch Medea findet in Peter Konwitschny ihren Fürsprecher. Von Bettina Bartz und Werner Hintze ließ er sich zum besseren Verständnis eine neue deutsche Textfassung für Luigi Cherubinis französischen Opernthriller erstellen. Wirrhaarige Dominas im Soldatenmantel haben keinen Platz in dieser korinthischen Männerwelt, in der dauerbesoffene Machos nur adrett herausgeputzte Heimchen wie Iasons neue Braut Kreusa dulden. Folgerichtig baute dafür Johannes Leiacker einen gekachelten Einheitsraum, der als Kücheneck von Plastikmüll umspült ist: Gesellschaftskritik, Öko-Pathos, Emanzipationsdrama – viel kommt da zusammen. So hell wie die Bühne ausgeleuchtet ist, so klar argumentiert diese Aufführung. Zudem ist Konwitschny einer der wenigen seiner Zunft, der Thesen schnörkelfrei formulieren und bis zum letzten Choristen personalisieren kann.

Sänger am Anschlag

Kurzweilig ist diese Stuttgarter Inszenierung also, die immer wieder Komödiantisches durchbrechen lässt: So, als ob sich der Erzähler einer verheerenden Tragödie nicht eines aufsteigenden, distanzierenden Giggelns erwehren kann. Und doch hat sich Konwitschny, das ist das Problem des pausenlosen Zweieinviertelstünders, aus seinem Regie-Zettelkasten bedient. Die – berechtigte – kritische Haltung gerinnt zum Klischee. Die Zweierszenen zwischen Iason und Medea, in denen man viel von (verdrängter) Liebe spürt, sind wie oft bei Konwitschny stark. Auch dass die beiden Kinder dieser verhängnisvollen Affäre ständig präsent sind, gibt der Sache eine weitere Drehung. Und doch ist eine Diskrepanz zu spüren zwischen der Grundidee der Inszenierung und ihrer tatsächlichen Umsetzung. Nachgespielt wirkt das und nicht bis zur existenziellen Konsequenz erfühlt: Diese „Medea“ ist zu kleinformatig.

Dazu kommt, dass nicht alles rollendeckend besetzt ist. Cornelia Ptassek wäre als herber Charaktersopran ideal, gerät aber mit Stimmverhärtungen ein ums andere Mal an den Anschlag. Auch für Sebastian Kohlhepp, diesen hervorragenden lyrischen Tenor, kommt der Iason noch ein paar Jahre zu früh. Shigeo Ishino gibt das stereotype Kreon-Ekel, Josefin Feiler kann sich als Kreusa ein paar Seelentöne sichern. Bei der herausragenden Singdarstellerin Helene Schneiderman ist jede Rolle eine Hauptpartie, auch wie hier die Neris. Alejo Pérez zielt mit dem Stuttgarter Staatsorchester auf historisch Informiertes. Effektvoll ist das und sehr dramatisch, blendet aber aus, dass Cherubini noch viel mehr Nuancen, Zwischentöne und Farbspiele parat hätte. Ein Schwächeanfall eines sonst gloriosen Hauses. Kann passieren.

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