Peter Kraus feiert umjubelten Tourauftakt

- München - Sein Hüftschwung war früher sicherlich lockerer und er dürfte auch mehr über die Bühne geflitzt sein, aber seinen jugendlichen Charme hat sich Peter Kraus, Rock'n'Roller der ersten Stunde, noch immer bewahrt. Das bewies der 67-jährige Sänger am Mittwochabend im Münchner Circus Krone eindrucksvoll. Dort gab er den Auftakt zu seiner Jubiläumstournee und wurde von seinem großenteils nur wenig jüngerem Publikum bejubelt.

Freilich geht heute alles gesittet zu. Auch wenn der Beifall groß ist und hier und da mitgewippt wird, bleiben die Damen und Herren zunächst brav in den Stuhlreihen sitzen, als Kraus Klassiker wie "Tutti Frutti" oder "Johnny be good" anstimmt - keine kreischenden Mädchen wie in den 50er und 60er Jahren. Sie sind lediglich auf der Leinwand im Bühnenhintergrund zu sehen, als eine Stimme aus dem Off zu Beginn der Show davon erzählt, wie Kraus seine Karriere startete und, wie es heißt, den Rock'n'Roll nach Deutschland brachte.

Schon bald traut sich ein Pärchen und beginnt im Gang zu tanzen. Als ein Sicherheitsmann die beiden vertreiben will, ist es Ehrensache, dass der frühere Revoluzzer sie sogleich auffordert, weiter zu machen. Der Abend wird zu einer Zeitreise: Ist es doch fast auf den Tag 50 Jahre her, dass Kraus - am 18. November 1956 und ebenfalls in München - das erste Mal die Bühne erstürmte. Bei früheren Hits wie "Mit 17", "Mean Woman" oder "Rock around the clock" erinnert er in kleinen Anekdoten an die damalige Zeit, witzelt dabei auch gerne über sein jetziges Alter.

Rührend wird es, als er zwei Menschen auf die Bühne holt, die ihn schon am allerersten Abend begleitet hatten: den Saxofonisten Max Greger, der damals ebenfalls auftrat und später gemeinsam mit Kraus auf Tournee ging, und den Bandleader Hugo Strasser. Der hatte überhaupt erst den Auftritt organisiert, erzählt der Sänger. Ein paar Tage davor habe Kraus ihm seine einzigen drei Lieder vorgespielt, woraufhin Strasser gesagt habe: "Bua guad. Bua, da mach' ma a Fass auf." Von da an ging es in rasanter Fahrt nach oben.

Doch Kraus und seine Gefährten schwelgen nicht lange in Erinnerungen, weiter geht's mit schmissigem Rock'n'Roll oder auch mal sanfteren Schmusesongs. Auf "Hula Baby" folgen "Sugar Baby", "Diana" und - in Gedenken an Chuck Berry, der an dem Tag 80 geworden wäre - "Roll over Beethoven". Inzwischen tanzt ein Grüppchen jüngerer Frauen direkt vor der Bühne und wirft Kraus Kusshände zu. Der Jubel im Publikum wird immer lauter und schließlich stehen alle auf, um den Rock'n'Roller zu beklatschen und Zugaben einzufordern. Ein paar Songs gibt's auch noch, bevor Kraus gemeinsam mit seinen Fans zum Ausklang "Schwarze Rose, Rosemarie" anstimmt.

Die Tour führt Peter Kraus in den kommenden Wochen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

www.peterkraus.de

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