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So kennt man ihn – und so lieben ihn seine Fans: Peter Maffay.

Zum 65. Geburtstag

Peter Maffay - der ewige Außenseiter

München - Peter Maffay wird am Samstag 65 Jahre alt – doch an den wohlverdienten Ruhestand denkt er nicht.

Peter Maffay ist noch ein Teenager als er nach einem Auftritt im Haidhauser „Unionsbräu“ von Texter Michael Kunze angesprochen wird. Und der bequatscht Maffay einen Schlager aufzunehmen. Maffay eifert Vorbildern wie Keith Richards, Eric Clapton oder Jack Bruce nach, spielt Rockmusik, aber Kunze erklärt ihm, dass es nun mal so laufe in der Musikbranche und es immerhin eine Chance auf eine eigene Platte sei. In einer Novembernacht 1969 nimmt Maffay in einem Münchner Tonstudio „Du“ auf. Jenes Lied, das sich gleichermaßen als Segen und Fluch erweisen wird. „Du“ ist 1970 die erfolgreichste deutschsprachige Single, verkauft sich über eine Million Mal, und Maffay ist ein Star mit einem Problem: Keiner nimmt ihm ab, dass er Rockmusik machen will.

Im Grunde hat er dieses Problem heute noch, nur hat er gelernt, sich nicht damit aufzuhalten. Er macht deutsche Rockmusik auf handwerklich hohem Niveau und er hat damit Erfolg. Kein anderer deutschsprachiger Künstler hat so viele Nummer-1-Alben wie Maffay und kein anderer hält sich so lange auf diesem Niveau, sieht man von Udo Lindenberg ab, der aber zwischendurch nicht allzu erfolgreich war.

Zu Maffays 65. Geburtstag, den er an diesem Samstag feiert, werden es sich Journalisten nicht nehmen lassen, nochmal davon zu berichten, wie das war, als Maffay 1982 als Vorgruppe der Rolling Stones ausgepfiffen und mit allem Greifbarem beworfen wurde. Die Sache ist nur die: Maffay hat daraus gelernt, die Kritiker nicht. Er wird noch disziplinierter, noch kompromissloser und vor allem hört er auf, sich zu rechtfertigen oder zu erklären. Er zieht sein Ding durch und aus.

Angefeindet wird er immer wieder, aber er nimmt es stoisch. Er ist ohnehin Außenseiter, seit er denken kann. Seine ersten 14 Lebensjahre verbringt er in Rumänien, und nach dem Zweiten Weltkrieg sind die deutschen Siebenbürger bei den Rumänen nicht gut gelitten. Maffays Vater wird immer mal vom Geheimdienst Securitate abgeholt, schließlich siedelt die Familie 1964 nach Bayern über. Maffay bleibt Außenseiter, die Aussiedler werden nicht mit offenen Armen empfangen.

Er lernt also, nur sich selbst zu vertrauen und entwickelt einen „sehr ausgeprägten Mittelfinger“, wie er das einmal in einem Interview genannt hat. Und er hat seine Meinung über vermeintlich intellektuelle Bildungsbürger, die es komisch finden, sich über seine geringe Körpergröße oder das rollende osteuropäische „R“ lustig zu machen – Edelfedern beim Feuilleton beispielsweise. Denen zeigt er innerlich den Finger und auch sonst allen, die sich ihm in den Weg stellen. Sein „R“ will er sich nicht abtrainieren lassen, seinen Schwenk zur Rockmusik lässt er sich nicht ausreden und trennt sich sogar von Mentor Kunze.

Gleichgültig wie man zu seiner Musik steht – die Standhaftigkeit von Peter Maffay ist beeindruckend. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie oft Manager oder Berater versucht haben, ihm seine Leder- und Jeanskluft auszureden oder seinen Vokuhila-Haarschnitt. Maffay hat verstanden, dass er niemand anderer sein kann als er selbst, und offenkundig gibt es viele Fans, die ihn genauso mögen. Und die ihm folgen, wenn er Neuland betritt.

So wie bei seinem Kinder-Rock-Musical „Tabaluga“. Oder 1998 als er im Album „Begegnungen“ mit Musikern aus allen Erdteilen vogelwild unterschiedlichste Musikstile erkundet und mit Rappern zusammenarbeitet. Selbst wer Maffay gar nicht mag, wird beim Zuhören zugeben müssen, dass hier ein versierter Könner am Werk ist, der beherrscht, was viele große Namen im deutschen Pop nicht so gut können: singen.

Auch politisch und gesellschaftlich engagiert sich Maffay so, wie er es für richtig hält. Setzt sich für Verständigung ein, Toleranz und Versöhnung. Auch mit seiner alten Heimat Rumänien. Für Deutschtümelei hat Maffay nichts übrig, wie er überhaupt nichts von engstirnigen Weltanschauungen hält. Das musste Skandalrapper Bushido erleben. Maffay hatte bei der Verleihung des Integrationsbambis 2011 noch die Laudatio auf Bushido gehalten, sich aber nach homophoben, sexistischen und antisemitische Ausfällen Bushidos sofort distanziert. Eine Chance verdient jeder, erklärt Maffay dazu, aber man müsse sie nutzen. Es klingt fast wie eine Aufforderung an die ewigen Kritiker, die Gelegenheit wahrzunehmen, sich unverkrampft mit ihm zu befassen. Obwohl: Wahrscheinlich ist es ihm mittlerweile egal. Mittelfinger ausfahren, sich auf die Bühne stellen und Musik spielen. So wird er es wohl machen. Mindestens noch 20 Jahre lang, hat er kürzlich angekündigt.

Konzert

Peter Maffay kommt am 30. Januar 2015 in die Münchner Olympiahalle; Karten unter Telefon 089 / 54 81 81 81.

Zoran Gojic

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