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Peter Maffay, der am Starnberger See lebt, geht jetzt auf Tour.

Interview zur Tournee

Peter Maffay: "Ich will es wissen"

München - Bald geht Rocker Peter Maffay wieder auf Tournee. Vorher spricht er im Interview  über das Konzept seines Konzerts, alte Wunden und neue „Tabaluga“-Projekte. 

Links liegt der Starnberger See, geradeaus geht’s ins Zentrum von Tutzing und zum Maffay-Land rechts hinauf. Hier hat der Deutschrocker sein Domizil, mehrere Büros und drei Studios. Das Haupthaus kommt fast skandinavisch daher, mit blauem Holz, weißen Jalousien und Balkonen. Hier hat Peter Maffay 2014 etwas Luft geholt, nachdem er sein 16. Nummer-eins-Album „Wenn das so ist“ im Zenith vorstellte. Ein geradliniges Rock ’n’ Roll-Album. Jetzt, am 15. Januar, startet der 65-Jährige die Tour dazu, die ihn am 30. Januar in die Münchner Olympiahalle führt. Zuvor sprach er mit uns in Tutzing – geduldig, mit kratziger Stimme.

Wollen Sie es auf Ihre alten Tage noch mal wissen und kein Märchenonkel, kein Drachenvater mehr sein?

Warum sollte ich weich werden? Ich will es hart, konturiert, ich will es wissen, denn jetzt ist die Zeit dafür. Ja, die Band ist härter geworden. Das ist Rock ’n’ Roll ohne Schnörkel. Wir sind zu alt, um uns zu verbiegen. Entweder wir geben das wieder, was wir gerade sind, oder wir lassen es bleiben.

Wie würden Sie selbst die Richtung des neuen Albums beschreiben?

Zurück in die Zukunft. Weil wir altmodische Techniken wie gedengelte Sounds, all meine Wurzeln und Wegweiser  in  40  Jahren ins Jahr 2015 ziehen. Da ist viel Rhythm ’n’ Blues drin, viel Blues. Ein gutes Beispiel ist der Song „Bis zum Schluss“. Sehr heavy, zwei Gitarren, eine Orgel. Das ist für mich eigentlich Retro, aber in einer modernen Form. Und wer hat da Pate gestanden? Natürlich Leute wie Hendrix.

Was erwartet die Besucher live in der Münchner Olympiahalle?

Zunächst unsere 360-Grad-Bühne in Form eines Gitarrenplektrums. Die Leute sitzen rundherum und stehen zwischen den langen Stegen. Auf denen findet die erste Dreiviertelstunde statt. In der spielen wir unplugged Coversongs unserer Vorbilder – Van Morrison, Eric Clapton oder eben Jimi Hendrix. Danach folgen das komplette neue Album und zum Schluss – nach einem Voting – noch drei, vier alte Songs.

Klingt ganz schön kostspielig.

Ein Abend kostet 130 000 bis 140 000 Euro. Wir reisen mit zwölf Trucks.

Nebenan, im Olympiastadion, erlebten Sie 1982 als Vorband der Rolling Stones Ihren Tiefpunkt. Noch Erinnerungen an das Pfeifkonzert der Fans?

Das traf meine Eitelkeit maßlos. Ich machte endlich die Musik, die mir am Herzen liegt, und dann so was! Aber: selber schuld. Ich hätte wissen müssen, dass man mit meiner Schlager-Vergangenheit nicht einfach so vor den Stones spielt. Als der erste seine Cola-Dose warf und ich mich nicht wehrte, haben viele mitgemacht.

Hätten Sie zurückwerfen sollen?

Im übertragenden Sinn. Mit adäquater Musik. 70 000 Menschen sind eine Macht, der muss man was entgegensetzen. Da kann man nicht Balladen spielen. Vier Monate später verkauften wir für unsere eigene Tour Hunderttausende Tickets. Aber die Narbe trage ich heute noch.

Narben, Falten, 65. Trotzdem: Ihre Kondition ist bewundernswert. Wie halten Sie sich fit?

Ich mache Sport, ich brauche das. Unterm Studio ist im zweiten Keller eine Muckibude. Richtig schön mit Sandsack und so, um sich zu plagen. Da gehe ich in der Regel jeden Tag, wenn ich hier bin, runter, schalte mir den Fernseher an, höre Nachrichten, und gleichzeitig mache ich mein Workout. Auf den Sack klebe ich dann immer Fotos meiner Bandkollegen, wenn sie wieder mal leckere Kekse ins Studio stellten, an denen ich einfach nicht vorbeigehen konnte. (Lacht.)

Salat oder Steak?

Ein solches hatte ich erst gestern Abend um die Ecke in meinem Lieblingsrestaurant. Ein Steak ist ja nichts Ungesundes, wenn es nicht einherkommt mit Tonnen von Kartoffelpüree, das im Übrigen schweinelecker ist. Aber Steak, Gurkensalat, ein Prosecco – Schluss. Ich frühstücke in der Regel, und abends esse ich, wenn es geht, richtig, mittags und nachmittags selten was.

Wie viel bringen Sie auf die Waage?

61 Kilo. Bei 1,68 Meter. Ich bin da ziemlich konsequent und eitel – ich setze nämlich schnell an. Ich will aber fit sein, nicht zu viel auf die Bühne schleppen.

Ihre Tätowierungen sind immer dabei. Ihnen haben Sie ein Lied gewidmet: „Schwarze Linien“. Warum?

Die stellen mich dar. Ein Tattoo ist zumindest für mich keine Dekoration. Ein Tattoo ist ein Ausrufezeichen. Eine Dokumentation eines Zeitabschnittes. Ein Tattoo erinnert mich jeden Tag, wenn ich in den Spiegel gucke, was ich für wichtig halte. Mein Rabe, den ich hier am rechten Oberarm habe, mein erstes Tattoo von 1996, ist in der indianischen Mythologie ein Symbol für Grenzgängertum. Für Wandler zwischen den Welten. Und als Rock ’n’ Roller bin ich so einer. Die Musik bringt mich mit Schauspielern, Tänzern, Kindern zusammen. Das ist fantastisch.

Stichwort Kinder: Stimmt es, dass Sie nach der Tour doch wieder zum Märchenonkel werden und mit „Tabaluga“ weitermachen wollen, obwohl Sie mit dem Drachen eigentlich schon auf Abschiedstournee waren?

Seitdem wir die Rechte von Studio 100 zurückgekauft haben, ist es wie bei „Dallas“: Jetzt geht’s erst richtig los. Alle Einnahmen aus „Tabaluga“ gehen in meine Stiftung, die etwa 1200 traumatisierte Kinder pro Jahr unterstützt. Die Stiftung braucht im Jahr gut eine Million Euro. Dafür muss „Tabaluga“ arbeiten – mit Platten, einem Film, mit Merchandising und anderem.

Das Gespräch führte Marco Mach.

Das Konzert ist am 30. Januar, 20 Uhr, Olympiahalle München; Karten unter Telefon: 089/ 54 81 81 81.

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