Pfadfinder-Rock

- PUR macht ratlos. Seit dem Auftauchen vor 20 Jahren spaltet die Schwabenbande die Bundesrepublik in erbitterte Feinde und ergebene Anhänger. Und nach dem fast dreistündigen Konzert in der vollen Münchner Olympiahalle kann man nicht recht verstehen, wie es ausgerechnet diese Band schafft, derart heftige Emotionen hervorzurufen. Die Show ist professionell, und die Musiker sind solide Handwerker, in denen allerdings das Feuer der Leidenschaft nur sehr sparsam lodert.

<P>Wenn sie so tun, als würden sie richtig loslegen, klingt das nach Barclay James Harvest - mit halber Bandgeschwindigkeit.<BR>An der Musik kann es also nicht liegen, denn die tut vor allem eines: Sie stört nicht weiter. Was PUR anbietet, ist größtenteils hausbackener Pfadfinder-Rock mit Ausflügen in die unendlichen Weiten der Belanglosigkeit. Selten tauchen interessante Motive auf. </P><P>Und wenn, sind sie von großen Vorbildern abgekupfert. Überhaupt sind es wohl die Texte, die für die gespaltenen Reaktionen auf PUR sorgen. Die ungelenke Lyrik irrlichtert thematisch in Richtung Männer-Selbsthilfegruppe, ist also in erster Linie gut gemeint. Toleranz, Solidarität, überhaupt das Gute im Menschen wird beschworen, und eigentlich ist das ja nichts Schlimmes. Vermutlich ist es gerade die sprachliche Unbeholfenheit, mit der Sänger Hartmut Engler Tod, Geburt, Ehekrise und dergleichen verbalisiert, die viele begeistert. Das wirkt aufrichtig. </P><P>Und man darf annehmen, dass er sich nicht verstellt. Wer es wagt, mit derartigem Liedgut die Bühne zu erklimmen, ist ein Überzeugungstäter. Überhaupt: Engler. Diejenigen, die er ansprechen möchte, erreicht er mühelos, alle anderen meiden seine Auftrittsorte ohnehin weiträumig. Dabei sind PUR-Fans wirklich sympathische Menschen. Aber man muss die Band deswegen nicht mögen.<BR></P>

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