Phänomenaler Effekt

Rottmann-Ausstellung: - Wie frisch gemalt hängen sie da, die Griechenland-Bilder des Carl Rottmann (1797-1850). Hier geht rosé-rötlich die Sonne unter, als wäre hinter dem Gemälde eine Lampe \x0fraffiniert versteckt angebracht. Dort wechseln Sonnenschein und Verschattung, dass man glaubt, die Wolken dahinziehen zu sehen. Die Neue Pinakothek München (NP) bietet eine wunderbare Überraschung. Und das mit einer alt-angestammten Sache.

Zu wenig Geld vom Staat

Mit der Ausstellung "Zehn Tonnen Hellas - Carl Rottmanns Griechenland-Zyklus" beweist sich wieder, welch imposante Schätze in Bayerns Museen liegen. Zu Recht unterstreicht Reinhold Baumstark, Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, dass "andere ganze Jumbo-Ladungen mit Bildern" herankarren müssten, um Erfolg zu haben; man selbst setze aber auf die eigenen Kräfte. Nur sind die ausgezehrt. Der Freistaat gibt seinen Museen derart wenig Geld, dass sie keine Ausstellungen mehr konzipieren können. Auch jetzt war die Retterin die Siemens-Kulturstiftung. Ein beschämender Befund, da der Rottmann-Saal mit dem Hellas-Zyklus das Herz der Neuen Pinakothek war, wie es der Rubens-Saal für die Alte Pinakothek ist.

2003, zum 150. Geburtstag der NP, wurde die Halle nachempfunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bau von Friedrich von Gärtner und August Voigt abgerissen; damit war auch der Saal, von dem es keine Fotos gibt, vernichtet. Erst 1981 entstand diese Pinakothek neu ­ und anders. Das Interesse an Rottmanns Landschaftsmalerei war mittlerweile erloschen. Erst in den vergangenen Jahren wurde die Neugier auf diese besondere Hellas-Liebe wieder entfacht. Die aktuelle Schau und das noch umfangreicher informierende Begleitbuch (Verlag Hatje Cantz) beweisen, dass sich dieser Forscherdrang gelohnt hat.

Nicht nur die Restauratoren haben Erkenntnisse gewonnen, die nun kurz und klar erklärt werden, sondern auch die Neue Pinakothek hat eine alt-neue Attraktion gewonnen. Man orientiert sich nämlich probeweise an der Licht-Inszenierung von 1853. Damals wurde in den Rottmann-Saal eine große, überdachte, seitlich völlig offene Wandelhalle gebaut.

König Ludwigs I. Auftrag

Der Betrachter stand also im Dunkeln und blickte auf Gemälde, die im seitlich von oben auftreffenden Licht aufleuchteten. Obwohl der 2007er-Pavillon ziemlich plump wirkt ­ der Lichteffekt ist nach wie vor phänomenal.

Griechenfreund Ludwig I. wollte nach dem Italien-Zyklus für die Hofgarten-Arkaden auch 38 Ansichten von Griechenland. Rottmann studierte das nach der türkischen Besatzung ausgezehrte Land ein Jahr lang. Zeichenbücher, große und kleine Skizzen und Aquarelle erzählen von seiner leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Gelände bei Athen und Marathon, Korinth oder Sparta. Rottmann idealisierte nichts, lockerte die herbe, karge Natur nur ab und zu durch Personenstaffagen auf. Nach dieser Strapaze wartete schon die nächste. Ludwig wünschte sich transportable (!) Wandmalerei in antiker Maltechnik, Enkaustik genannt (Malerei mit Wachs).

Deswegen kamen bei letztlich 23 Werken "Zehn Tonnen Hellas" zusammen: Rottmann malte auf Mörtelplatten (verstärkt durch Eisenstangen und -netze) und verabschiedete sich schnell von den angeblich antiken Techniken. Die Restauratoren, die schlimme Feuchtigkeitsschäden behoben ­ man sieht noch einige schadhafte Platten ­, entschlüsselten die Experimente des Malers. Zum Glück fand sein Zyklus eine sicherere Unterkunft als im Freien. Er wurde in der Neuen Pinakothek gefeiert ­ bis 1944 die Bomben fielen.

Bis 29.4., Tel. 089/ 23 80 51 95, Buch: 39,80 Euro.

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