Pharao im Hinterhalt

- Tempelwände erzählen die Taten, Statuten künden vom Ruhm, Goldfragmente besiegeln den Pakt. Kein anderes Ereignis der ägyptischen Geschichte ist so oft dargestellt worden wie die "Schlacht von Kadesch" (1257 v. Chr.). Fast wäre es die große Niederlage für Ramses II. und sein Volk geworden, schließlich aber wurde der erste schriftlich fixierte Friedensvertrag der Welt daraus. Die einzigartige Begebenheit würdigt das Staatliche Museum für Ägyptische Kunst in München mit einer anspruchsvollen Schau, die, unterstützt durch einen Audioguide, auf kleinem Raum ausführlich das brisante Thema behandelt.

<P>Der junge Pharao, unerfahren und erst im fünften Regierungsjahr, wurde von den Hethitern in einen Hinterhalt gelockt. Es ging um den Besitz der Provinz Amurru im Libanon, die wertvolles Zedernholz lieferte. Abgeschnitten von seinem Heer, war Ramses dem Tod nahe und wandte sich in seiner Verzweiflung an seinen Gott Amun. "Hat ein Vater jemals seinen Sohn verlassen?", klagte der Pharao. Plötzlich tauchte eine Eliteeinheit seiner Truppen auf, und Ramses wütete heroisch unter den Feinden. Obwohl die Hethiter in der Übermacht waren, ließen sie ihn am nächsten Tag ziehen.</P><P>Warum das so war, weiß man nicht. Was aber die Ausstellung wunderbar herausarbeitet, ist, wie der Pharao Mensch, König und Gott gleichermaßen verkörperte. Und dass das Ziel, nämlich der Sieg der Friedfertigen, Jahre später erreicht wurde. Statt Argumente für Kriegsverklärung zu liefern, wird also die Basis für fast 100 Jahre Harmonie thematisiert. Mit diesem Denkansatz, mit dem Tempelnachbau, Figuren, Köpfen und Stelen (zum Teil aus den Museen Berlin, Hannover, Hildesheim und London) kann sich München sehen lassen kann.</P><P>Kapitel wie "Das Bild des Fremden", Frömmigkeit als Lebenselixier, Militärwesen und die Darstellung des siegreichen Pharao veranschaulichen die ägyptische Weltauffassung. Prunkstücke und Anlass für die Schau sind die beiden unlängst erworbenen Goldbleche eines Bechers, die Ramses' Namen erstmals zweisprachig aufweisen. Ein glänzendes Zeugnis des Friedensschlusses, der mit einer Heirat und diplomatischen Geschenken untermauert wurde. Damit kommt die hochpolitische und hochgebildete Kultur des Altertums mitten im Heute an.</P>Bis 7. März 2004, Tel. 089/ 29 85 46.<BR>

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