Pharao in der Zielgeraden

München - Bald ist es soweit: Das neue Domizil des Museums für Ägyptische Kunst wird an der Münchner Gabelsbergerstraße im Juni eröffnet.

Der Pharao ist etwas schüchtern – und versteckt sich hinter Plastiknoppenfolie. Schließlich hat er im Neubau des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst noch nicht den ihm gemäßen herrscherlichen Platz eingenommen. Gerade wurde die mächtige Statue per Laster angeliefert und nun steht sie abwartend im Eckerl. Denn es wird heftig gewerkelt in den unterirdischen Sälen des Baus an der Gabelsbergerstraße gegenüber der Alten Pinakothek. Längst schon ist die Hochschule für Fernsehen und Film in ihren Teil des Gebäudes der Architekten Gottfried und Peter Böhm eingezogen (wir berichteten), während die Ägyptologen einen viel längeren Atem haben mussten. Jetzt jedoch geht es in die Zielgerade.

Deswegen lud Museumschefin Sylvia Schoske zu einer besonderen Jahrespressekonferenz. Wollte sie doch endlich verkünden, wann ihr neues Domizil eröffnet wird. Mit aller Vorsicht gibt sie den 10. Juni an: Offensichtlich zerr(t)en Terminschwierigkeiten an Kunstministerium und Staatskanzlei – und an den Nerven. Das bedeutet gleichzeitig, dass augenblicklich ein straffer Zeit- und Arbeitsplan, komme, was da wolle, durchgezogen werden muss. Sprich: Auch während des Rundgangs für Journalisten wird weitergearbeitet – und Innenarchitekt Christian Raißle von seiner Firma „Die Werft“ mahnt alle, auf dass niemand von riesigen Glasplatten zermalmt werde. Er wie auch Schoske betonen, dass das jeweilige Objekt im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung zu stehen hätten und nicht die „Inszenierung“. Beton (Wand), Stahl und Glas (Vitrinen) sind also die dezent dienenden Elemente, wobei der schwarze Stahl in sich lebendig und zugleich edel wirkt. Und die hellen Sandsteinreliefs bestens zur Geltung bringt.

Gerade wird das obere Stück einer Scheintür zu einem Grabmal (Altes Reich, 2200 v. Chr.) aufgehängt – von dem Experten, nämlich Michael Pfanner, und seinem Team. Der Professor ist Archäologe, Restaurator und Bildhauer in Personalunion und zeigt – bevor der Flaschenzug in Gang gesetzt wird –, dass das Werk selbst nicht unmittelbar der Zug-/Schwerkraft ausgesetzt wird. Eine Stahlplatte bildet vielmehr die Rückseite. Dieses Metallteil wird an die Wandplatte verbracht, damit ihr Schützling, das Original, maximal geschont bleibt. Aber diese unmittelbare Arbeit mit den Exponaten ist nur ein kleiner Teil einer gut zweijährigen Strategieplanung.

Damit der Umzug generalstabsmäßig perfekt ablaufen kann, haben sich die Münchner aus Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) Olivia Zorn ausgeliehen, die dort schon zwei Ägypter-Umzüge gemanagt hatte. So wie sie vom Zeitplan berichtet, ist man überzeugt, dass alles klappt (toitoitoi). Wie gesehen, werden die „im Dezember vormontierten Reliefs jetzt in die Vitrinen eingebracht“. Bis Mitte Februar seien alle Vitrinen fertig. Dann kämen die großen Kunstwerke, März/April werde die verzwickte Amarna-Wand eingebaut (Stichwort: Nofretete), März/April/Mai würden die Schaukästen mit den mittleren und kleinen Objekte bestückt. Wobei „Kasten“: Architekt Raißle erklärt, dass in ihnen so viel Technik steckt wie in einem Auto. Ende Mai will das Team in der fertigen Schau die Medienstationen (Infos über den jeweiligen Saal) und die mobilen Führer (Hören plus Sehen per Video) testen.

Übrigens geschieht all das, während in den Museumsräumen in der Residenz (Hofgartentrakt, werktags außer Mo. ab 9 Uhr; Wochenende ab 10 Uhr) der Betrieb fast unvermindert weiterläuft. Ab 17. Januar kann der Besucher die Grabkammer des „Königsschreibers und Dämonenverstehers Rai“ samt passenden Kunstwerken besichtigen. Die Installation war zuvor in der nicht mehr existierenden Seefelder Dependance beheimatet. Die zweite Schau, „Vom kleinen Teil zum großen Ganzen“ stellt die Zusammenarbeit von Natur- und Geisteswissenschaftlern im „ArchaeoBioCenter“ vor. Denn auch Botaniker oder Geologen können an der Geschichte von den alten Zeiten miterzählen, und die Informatiker ordnen für uns die Datenflut. Daneben bleibt eine allgemeine Informationsschau bestehen: „Ägypten kompakt“. Mit Besucherlieblingen wie den hinreißenden türkisfarbenen Nilpferdchen. All das soll durchgehalten werden, bis die neuen 2200 Quadratmeter mit circa 2000 Objekten (Gesamtbestand rund 8000 Werke) bewundert werden können.

Simone Dattenberger

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