Philharmonie: Höhere Sphären

- Anton Bruckner und die Münchner Philharmoniker, diese Paarung hat eine lange Tradition. Klangvolle Namen haben sich hier am Dirigentenpult für die Werke des Komponisten stark gemacht und die Sinne der Konzertbesucher gerade für diese Musik besonders geschärft. Ein Erbe, dessen sich auch Christian Thielemann bewusst ist, der seine Amtszeit an der Isar vor rund zwei Jahren mit der fünften Symphonie Bruckners begonnen hatte und diese Auseinandersetzung nun mit der "Achten" fortsetzte.

Thielemann schien dabei für jeden Satz neue klangliche Schattierungen aufspüren zu wollen und nahm sich seine Zeit, um die orchestralen Feinheiten des Werkes voll auszukosten. Schon am Anfang verharrte der Maestro so lange regungslos, bis auch wirklich das letzte Husten verstummt war und absolute Ruhe in die Philharmonie eingekehrt war, damit sich die ersten Takte ungetrübt ihren Weg bahnen konnten. Bedeutungsschwer legte sich da das erste Thema über das Tremolo der Streicher, die hier manchmal vielleicht noch eine Spur zu dominant in den Vordergrund drängten. Doch schon im folgenden Scherzo war die richtige Balance gefunden und reichlich Gelegenheit für Thielemann, seine bekannten Stärken auszuspielen.

Kernstück der achten Symphonie bleibt jedoch das berühmte, großdimensionierte Adagio, das allein bereits mehr Raum für sich beansprucht als bei manch anderem Komponisten eine komplette Symphonie. Ein Umstand, von dem sich der Dirigent keineswegs einschüchtern ließ und auch diesen Satz ebenso behutsam wie konsequent steigerte, ohne dabei zu früh sein Pulver zu verschießen oder an Spannung zu verlieren. So wurde man hier als Zuhörer geradezu von der Musik aufgesogen.

Nach diesem Ausflug in höhere Sphären hatte der blechgepanzerte Finalsatz wieder deutlich festeren Boden unter den Füßen und führte die Symphonie schließlich zu einem mehr als effektvollen Abschluss.

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