Klassik und Kabarett in der Philharmonie

München - Zwischen Star und Nachwuchs: Die Münchner Philharmoniker stellten Projekte und Künstler der Saison 2013/14 vor.

Und die Tuba bläst der Huber. So schlimm ist es nicht, auch wenn unsere Münchner Philharmoniker mittlerweile ja ganz sympathisch auch Marschmusik im Hofbräuhaus präsentieren. In diesem Fall heißt der „Huber“ Andreas Martin Hofmeir und ist Tubist der mittlerweile deutschlandweit berühmten Formation LaBrassBanda, die haarscharf und unverdient an der Grand-Prix-Teilnahme vorbeigehupt sind. Aber was ist schon der Chanson-Grand-Prix gegen einen Auftritt mit den Philharmonikern?

Hofmeir, früher mal Akademist des Orchesters, wird unter dem Motto „Lackschuh oder barfuß“ im Rahmen von „Spielfeld Klassik“ am 23. März 2014 ein Programm bestreiten – musikalisch und auch kabarettistisch. Man sieht schon: „Spielfeld Klassik“ ist auch ein Spiel, um neue Hörerschichten zu gewinnen. „Jede freie Minute“ mache sich Paul Müller, Intendant der Münchner Philharmoniker, darüber Gedanken: In zehn, 15 Jahren werde die Besucherzahl des Gasteig zurückgehen, wenn man nicht jetzt versuche, neues Publikum zu gewinnen. Deshalb geht man auch wieder in einen Club, diesmal ins Harry Klein (10. Mai 2013), um die Jugend für Klassik zu begeistern. Dazu gibt’s Workshops, hautnahe Probenarbeit – Kinder und Erwachsene sitzen direkt neben den Musikern – und mehr. Die Philis blasen zum Angriff!

Was ist noch in der nächsten Saison geplant? Eine Auswahl: Die Schwerpunkte: Richard Strauss ist einer davon. Es erklingen unter anderem „Don Quixote“, „Till Eulenspiegel“ und die „Rosenkavalier“-Suite unter Chef Lorin Maazel, in einem weiteren Maazel-Programm die „Alpensinfonie“. Benjamin Britten wird auch mit seinem „War Requiem“ gefeiert – ebenfalls Chefsache wie die „Four Sea Interludes“, die Barbara Hannigan singen wird. Hochkarätige Gäste: Anja Harteros wird gleich mehrmals dabei sein, singt Strauss’ „Vier letzte Lieder“.

An der Pianisten-Front tummeln sich etwa Rudolf Buchbinder, Leif Ove Andsnes oder Yefim Bronfman, von dem man nur hoffen kann, dass er für Beethovens 3. Klavierkonzert nicht übermäßig Beton anrühren wird. Martin Grubinger (Perkussion), Christian Tetzlaff (Geige) oder Daniel Müller-Schott (Cello) sind weitere gute Bekannte.

Valery Gergiev, ab 2015 neuer Chefdirigent, präsentiert mehrfach Strawinsky. Ob der umstrittene Russe nicht schon vor seinem Amtsantritt sein Pulver verschießt? Nein, sagt Müller. Es gebe ja genug Werke, und ein Schostakowitsch-Zyklus wäre ja bis zum Beginn als Chef auch schon wieder ein paar Jahre her. Der Ehrendirigent des Orchesters, Zubin Mehta, greift erst die übernächste Saison wieder an. Dafür geben sich Semyon Bychkov, Pablo Herras-Casado, Gustavo Dudamel, Alan Gilbert und Philippe Jordan den Taktstock in die Hand.

In der Nach-Thielemann-Ära geben sich die Philis ungebrochen reisefreudig. Demnächst geht’s nach Japan, in der kommenden Saison etwa nach New York, Wien und Dortmund. 35 Gastkonzerte sind’s, insgesamt gibt es 101 Aufführungen. Und gibt es mehr Technik in der Zukunft? Live-Streaming im großen Stil, wie es die Berliner Philharmoniker vormachen, ist nicht möglich. Allein eine Übertragung würde etwa 70 000 Euro kosten. Müller: „Aber wir sind am Thema dran.“

Matthias Bieber

Vorverkauf:

Spätestens ab November kann man alle Konzerte der kommenden Saison buchen; Tel. 089/480 98 55 00.

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