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Es bleibt bei der Hilfskonstruktion über der Bühne: Die Philharmonie wird vorerst nicht umgebaut.

Philharmonie-Umbau abgelehnt: Keine Enttäuschung

München - Mit der dürftigen Akustik der Münchner Philharmonie müssen Besucher, vor allem auch die Künstler auf nicht absehbare Zeit weiter zurechtkommen. Der Gasteig-Aufsichtsrat hat sich gegen einen Umbau der Bühne ausgesprochen.

Grund: Die Stadt will abwarten, ob das BR-Symphonieorchester einen eigenen Saal bekommt und eventuell auszieht. Bei den Münchner Philharmonikern stößt diese Entscheidung überraschenderweise auf Verständnis, wie den Worten von Intendant Paul Müller zu entnehmen ist.

Sind Sie enttäuscht?

Wir sind mit dem, was gerade passiert, voll und ganz einverstanden. Es ist nicht sehr hilfreich, einen Saal von der Betrachtungsweise in zwei Teile zu spalten, also in Bühne und Publikumsbereich. Bei diesem Umbau hätte es sich um eine Maßnahme gehandelt, die sich nur auf einen Teil auswirkt, nämlich auf die Bühne. Das halte ich für problematisch. Wenn etwas mit der Philharmonie passieren sollte, dann sollte auch eine Gesamtlösung angestrebt werden. Es geht um die Einheit von Ausführenden und Publikum.

Ist denn der Saal besser als sein Ruf?

Es gibt da mehrere Aspekte. Auf der einen Seite würde ich sagen: Ja, das Image der Philharmonie ist zu schlecht. Das hat dieser Saal nicht verdient. Hier haben doch bewegende Ereignisse stattgefunden, man denke nur an großartige Konzerte mit Sergiu Celibidache, Christian Thielemann, Mariss Jansons oder Lorin Maazel. Trotzdem gibt es natürlich akustische Probleme, deren man sich annehmen muss. Das Problem ist nur: Die ganze Diskussion hat sich auf das Thema Akustik verengt. Dabei sind auch andere Aspekte zu berücksichtigen: Wie intim muss ein Saal sein? Inwieweit lässt er die Identifikation des Publikums mit den Geschehnissen auf der Bühne zu? Welche Anforderungen müssen an einen Konzertsaal des 21. Jahrhunderts gestellt werden? Vor allem Letzteres zu untersuchen, halte ich für extrem spannend. Außerdem sollten wir das gesamte Gasteig-Gebilde mit all seinen Institutionen betrachten, nicht nur immer die Philharmonie.

Die Stadt wartet nun ab, ob der BR seinen eigenen Saal bekommt. Ist das nicht Kultur-Mikado? Wer sich zuerst bewegt, hat verloren...?

Das sehe ich nicht so. Eine Lösung, die nur auf den Umbau der Bühne zielt, greift eben zu kurz. Dann ist es angemessener, länger mit einer umfassenden Lösung zu warten – wobei ich „länger“ jetzt nicht definieren will. Ich kann einen Saal ja nicht alle 30 Jahre umbauen, wenn er mir nicht mehr gefällt. Komplexe Themen müssen eben komplexer betrachtet werden.

Aber ist der Umbau damit nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben? In einer finanziell gebeutelten Stadt dürfte doch das Thema eher nachrangig sein.

Ich bin ein Grundoptimist. Wenn es Vorhaben, Projekte gibt, die eine zwingende Begründung vorweisen können, dann wird man mit der Umsetzung Glück haben, und sie werden verwirklicht.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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