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Ein Monolith in der US-amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts: Philip Roth (1933-2018).

Zum Tod des großen US-Schriftstellers

Philip Roth – der grandios Unanständige

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Philip Roth, der vielen als der beste US-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gilt, ist mit 85 Jahren gestorben. Lesen Sie hier unseren Nachruf: 

Noch im Januar hat Philip Roth ein starkes öffentliches Lebenszeichen von sich gegeben. Und das in einer Manier, die für ihn als weltweit gefeierten Schriftsteller nicht unbedingt typisch war. Er widmete sich der Tagespolitik, dem US-amerikanischen Präsidenten. Und er bediente sich dabei der rasiermesserscharfen Formulierungsgabe, die ihn immer schon auszeichnete. Donald Trump, sagte Roth, sei „die Katastrophe des 21. Jahrhunderts, die entwürdigendste Katastrophe der USA“. Trump sei ein großer Betrüger, die üble Summe all seiner eigenen Unzulänglichkeiten, „frei von allem außer der leeren Ideologie eines Größenwahnsinnigen“. Da war sie noch einmal. Die Sprache des Provokateurs, des Unbequemen, des Mannes, der sich nicht groß scherte um Konventionen oder Moral – und sich nicht davor scheute, als unanständig wahrgenommen zu werden.

Roth galt rasch als Skandalautor

Roth, der außer dem Nobelpreis so gut wie jede Auszeichnung seiner Branche erhalten hat, zählte zu den aufregendsten Stimmen Amerikas. Vom Schreiben hatte er sich allerdings schon vor sechs Jahren offiziell verabschiedet; nun, im Alter von 85 Jahren, ist Philip Roth endgültig verstummt, er starb in einem Krankenhaus in Manhattan an Herzversagen.

In mehr als 25 Romanen hat sich Roth auf die Spur des Lebens und seiner Abgründe begeben. Er durchleuchtete die amerikanische Gesellschaft nach ihren Widersprüchen und Todsünden, rieb sich am Spießertum, an der politischen Korrektheit, an der Sexualmoral, auch an seiner jüdischen Herkunft. Zu seinen Befunden gehörte, die Amerikaner verbinde eine Leidenschaft: „die Ekstase der Scheinheiligkeit“.

Schon früh handelte er sich den Ruf des Skandalautors ein. Seine Satire „Portnoys Beschwerden“ führte 1969 in den USA zu hitzigen Protesten der sich ins Lächerliche gezogen fühlenden jüdischen Gemeinde. In seinem autobiografischen Werk „Tatsachen“ erklärt er: „Der wütende jüdische Widerstand, den ich von Anfang an erweckt hatte, war der glücklichste Umstand, der mir überhaupt hatte widerfahren können. Ich war gebrandmarkt, hatte mein Markenzeichen.“

Sein Thema: die männliche Triebhaftigkeit

Zu seinem Markenzeichen gehörte auch, dass sich Roth immer wieder einem seiner favorisierten Themen hingab: der männlichen Triebhaftigkeit, der Lust, der satyrhaften Begierde. Er enttabuisierte dabei die angebliche Unmoral. Die, die ihn schätzten, nannten Roth deswegen einen Moralisten und Chronisten der sexuellen Revolution. Er galt als ein grandios Unanständiger. Andere hielten ihn für einen hemmungslosen Wüstling. Zusätzliche Nahrung erhielt letztere Einschätzung durch den Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau Claire Bloom. Die Schauspielerin, die an der Seite von Charly Chaplin in „Lichter der Großstadt“ frühen Weltruhm erlangt hatte, fühlte sich in Roths 1998 erschienenem Roman „Mein Mann, der Kommunist“ stark verunglimpft, schrieb selbst ein Buch und bezichtigte den Mann, der immerhin 18 Jahre lang ihr Partner war, der Rachsucht und des paranoiden Sadismus.

Manchmal war Roths Leben tatsächlich wie ein Roman – und auch umgekehrt. Er entwickelte ein grandioses Wechselspiel von Wirklichkeit und Fiktion, das er so beschrieb: „Meine Romane werden für Autobiografien gehalten, und meine Autobiografien für Romane.“ Leben und Dichtkunst durchdrangen sich gegenseitig – die Kunstprodukte erlangten dadurch bei Roth erst ihre Wahrhaftigkeit. Der US-Literaturprofessor Robert Alter prägte den Satz: „Philip Roth schreibt immer über Philip Roth.“

2012 erklärte Roth seinen Rückzug als Autor

Das tat er auch noch in den letzten Jahren seines Schaffens, als das Älterwerden zum Hauptstoff wurde. „Das Alter ist ein unerbittlicher Kampf, und zwar gerade dann, wenn man am schwächsten und am wenigsten in der Lage ist, den alten Kampfgeist heraufzubeschwören“, schrieb Roth im 2006 erschienenen „Jedermann“. 2012 gab er sich geschlagen, erklärte seinen Rückzug als Schriftsteller.

Die letzten Momente seines Lebens aber scheint er im Roman „Jedermann“ vorweggenommen zu haben. Dieser endet mit dem Tod seines Protagonisten und den Worten: „Er war nicht mehr. Befreit vom Sein, ging er ins Nichts, ohne es auch nur zu merken. Wie er es befürchtet hatte von Anbeginn.“

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