Philippe Entremont: Mit Routine

- Wie sich immer wieder mal feststellen lässt, müssen Dirigent und Solist bei einem gemeinsamen Auftritt nicht zwangsläufig auch auf einer Wellenlänge liegen. Und so scheint es durchaus Sinn zu machen, wenn ein Pianist kurzerhand selbst die Zügel des Orchesters ergreift, um seine Ideen ungestört zu verwirklichen.

Beim zweiten Abonnementkonzert der Münchner Symphoniker im Prinzregententheater meisterte Philippe Entremont diese Doppelbelastung als Solist und Dirigent nun mit professioneller Routine.

Wobei ihm das Orchester, falls gerade mal keine Hand frei war, auch auf bloßes Kopfnicken hin willig durch Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 folgte. Entremont schien sich dabei am Flügel weniger als Solist zu verstehen, sondern vielmehr als Musiker unter Kollegen. Denn selbst wenn Ludwig van Beethoven die ersten Töne allein in die Hände des Pianisten legt und diese unbegleitet im Raum stehen lässt, gliederte sich der Pianist danach völlig in den Klang des Orchesters ein. Manchmal aber hätte man sich bei dieser schnörkellosen Interpretation vielleicht doch etwas weniger Demokratie und dafür etwas mehr Mut zum Risiko gewünscht.

Unter ähnlichen Vorzeichen hatte sich zuvor auch die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz" präsentiert, bei der nur wenig von der bedrohliche Atmosphäre der Wolfsschlucht zu spüren war und vor allem das Idyll der Försterstube beschworen wurde.

Den volkstümlichen Ton der "Tschechischen Suite" von Antonin Dvorák traf Philippe Entremont da schon besser und ließ hier endlich auch die Bläser zu ihrem Recht kommen, die zuvor ein wenig stiefväterlich behandelt worden waren. Ohnehin ein Selbstläufer sind Dvoráks "Slawische Tänze", die hier in bester Wunschkonzertmanier einen schmissigen Schlusspunkt unter den Abend setzten.

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