Philosophie des Imaginären

Museum Villa Stuck: - Zuletzt ist es der Marmor: 1972, ein Jahr bevor er nur 59-jährig an Krebs stirbt, begibt sich der experimentierfreudige Maler, Bildhauer und Kunsttheoretiker Asger Oluf Jørgensen, genannt Asger Jorn, in die Steinbrüche von Carrara. Es interessieren ihn die rauen, brüchigen Brocken am Wegesrand. Deren fantastischen Charakter forciert der Däne in seiner spontanen Behauung.

Ungemein schnell macht Jorn sich die neuen Techniken für seine freundlichen, oft vielköpfigen Wesen zunutze. So poliert und akzentuiert er etwa die knubbeligen Gesichter und Hände der "Lieben Freunde". Mit zwei anderen fabel(tier)haften Statuen, umgeben von bunt glasierten Keramiktellern, stehen sie im letzen der Licht durchfluteten oberen Räume der Münchner Villa Stuck.

Hier fand zum ersten Mal 1953 eine Jorn-Ausstellung statt. Im selben Jahr beginnt Jorn, den abstrakten Expressionismus seiner farbenfrohen Bilder in Keramik zu übersetzen. 1954 verlässt er seine jütländische Heimat, um sich im ligurischen Albi-sola neuen Techniken und Glasuren des Keramikhandwerks zu widmen.

Hier setzt auch die heutige chronologische Werkschau in der Villa Stuck ein (eine Übernahme aus dem Silkeborg Kunstmuseum): "Asger Jorn in Italien. Werke in Keramik, Bronze und Marmor 1954 - 1972".

Im Vergleich zu seiner Malerei ist das modellierte Spätwerk des 1914 geborenen Künstlers weniger bekannt. Jorns Anfänge liegen Mitte der 30er-Jahre in Paris bei Fernand Léger und Le Corbusier. 1941 begründete er die Zeitschrift "Helhesten" (Höllenpferd) mit, später die expressive Vereinigung "Cobra" (1948 - 1951) sowie die "Internationale Bewegung für ein imaginistisches Bauhaus" (M.I.B.I., ab 1954).

In Italien arbeitet Jorn nun mit duplizierten Reliefplatten, deren Oberfläche er farbig und strukturell variiert. Es folgen große Wandreliefs, vor allem das für das Staatliche Gymnasium in Aarhus (1959), welches 3 mal 27 Meter misst. Ob in den Skulpturen, den "freien Formen" oder den späteren Gliederpuppen der "freien Reliefs" - Jorn genießt sein tönernes Material in immer weniger strengen, verschlungenen Linien und elegantem Faltenwurf.

Gleich seiner "Philosophie des Imaginären" formt er humorvolle Geschöpfe - wie den "Totenhund" (1954) oder dessen sphinxenhafte Schwester "Giulietta", die auf einem Majolikasockel thront (1970). Er durchbricht Körper, dreht Köpfe, exponiert Kugelaugen. Im Frühjahr ‘72 erschafft er 24 Terrakotta-Figuren samt ihren Bronze-Pendants. Durch Titel wie "Übler Scherz" oder "Personna non pasa" ("Kein Durchgang") fasste Asger Jorn die fröhliche Facette seines Werkes immer wieder auch in Worte.

Bis 22. Juli 2007. Mi-So, 11-18 Uhr. Info: Tel. 089/455 55 10; der Katalog kostet 55 Euro.

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