Kritik

Rückblick: Marc-André Hamelin im Herkulessaal

München - Er ist ein verführerischer Klangzauberer, ein Kapriolen schlagender Improvisator und bleibt doch stets glasklarer Strukturalist: Marc-André Hamelin, der kanadische Pianist, gab den Münchnern wieder einmal die Ehre.

Und so strömten auch viele junge Klavierfans am Mittwoch in den Herkulessaal.

Das Programm – von Bach bis Hamelin – gestattete dem Pianisten alle Freiheit, sein stupendes Können in vielfältigen Stimmungen auszudrücken. Bei Bachs Fantasie und Fuge g-Moll (von Theodor Szántó fürs Klavier arrangiert) ließ er den Fazioli-Flügel mit sattem Pedal rauschen wie eine Orgel, um dann in der heiteren Fuge Kraft und Klarheit zu vereinen. Einen echten Kontrast bot hernach Ferruccio Busonis eigenwillige, ins Ungewisse lockende Sonatina seconda: Ob wilde Akkordläufe oder changierende Klanggestalten – Hamelin war in aller Bewegtheit ein souveräner Gestalter und streifte in den sich fast nahtlos anschließenden, schillernden Images von Debussy transzendente Regionen. Er wucherte nicht nur mit zartem Farb-Geglitzer, sondern gab dem Pulsieren, der Rhythmik – auch in L’isle joyeuse – Gestalt und Facon.

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Bevor Hamelin sich Sergej Rachmaninow zuwandte, amüsierte er sein begeistertes Publikum mit eigenen Variationen über ein Paganini-Thema. Dabei stand er dem geigenden Hexenmeister in nichts nach und trieb sein ironisches Spiel bis hin zu Beethovens Fünfter. Als Feinzeichner spürte Hamelin auch bei Rachmaninow den Nuancen nach, entführte mit sensiblem Gespür für das richtige Timing in poetische Dimensionen, bevor er ins Finale stürmte – mit dem nötigen Akkord-Getöse. Jubel, Blumen, Zugaben.

Von Gabriele Luster

Rubriklistenbild: © dpa

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