Ein Pilotversuch

- Das wär' doch die Lösung fürs in Festspiel-Zeiten heiß gelaufene Opern-Kraftwerk: proben erst während der Aufführung. Rumpeln auf der Hinterbühne, musikalisches Straucheln, unangekündigt lange Pausen und eine beherzte Stimme, die den Herrenchor zum Pilgerschlager nach vorn beorderte, legten nahe: Dieser "Tannhäuser" schien der Pilotversuch. Schade ums höchstkarätige Ensemble, schade um Wagner-Fans, die bis zu 160 Euro berappten. Und schade um den exzellenten, die wechselnden Atmosphären schnell erfassenden Dirigenten Jun Märkl, der zu derlei Himmelfahrtskommandos gern in den Graben des Nationaltheaters geschickt wird.

<P>Immerhin: Nach dem ersten Akt, hier etwas mehr als eine Durchlaufprobe, fasste die Vorstellung Tritt. Unmittelbar mit dem Erscheinen Emily Magees, deren "Hallen-Arie" eine neue Qualität in den Abend brachte. Durch ihre natürliche Präsenz, vor allem aber durch ihre große, schlank und sicher geführte Stimme, die mehr Farben entwickeln könnte, deren charakteristisches Timbre aber sofort aufhorchen ließ.</P><P>Auch sonst protzte das Haus mit Festival-gemäßem Aufgebot. Etwa mit dem imponierenden Kurt Moll, als Landgraf eine live-haftige Legende. Oder mit Waltraud Meier, deren Spitzen zuweilen irritierten, die aber als salonschlangige Venus effektvoll absahnte. Simon Keenlyside drohte als Wolfram, eine Spur über seinen Bariton-Möglichkeiten zu singen. Aber die Charakterzeichnung dieses verklemmt-schutzlosen Intellektuellen, spätestens auch der "Abendstern"-Hit berührten. Robert Gambill (Tannhäuser) ist als Heldentenor ein Sonderfall. Seine Argumente sind nicht stechender Trompetenglanz inklusive hoher Dezibelzahlen, sondern feine Nuancen (vor allem in der "Rom-Erzählung") und absolut glaubhaftes Spiel.</P><P>Dass in diesem Opus der Chor Hauptakteur ist, entpuppte sich als Problem. Der "Einzug der Gäste" klappte (dank Märkls Manövrierkunst), ansonsten geriet manch Männerchor zum (Intonations-) Unfall. Gewiss: David Aldens Produktion, die mit bedeutungsschwangeren Stimmungen arbeitet, ohne sie näher zu erläutern, ist diffizil. Ein Grund mehr, sie bei Festspielen auch "fertig" zu zeigen.</P>

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