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Pablo Picasso: Das Gemälde „Interieur mit zeichnendem Mädchen (Deux femmes)“ aus dem Jahr 1935 wurde vom New Yorker Museum of Modern Art an Münchens Pinakothek der Moderne ausgeliehen.

Pinakothek: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan

München - Es ist ein kultureller Paukenschlag: Die Pinakothek der Moderne zeigt „Frauen – Pablo Picasso, Max Beckmann, Willem de Kooning“.

Sie hat sich drei Kerle eingeladen – Kraftkerle obendrein. Carla Schulz-Hoffmann beendet ihre Karriere mit dem Ausstellungs-Paukenschlag „Frauen – Pablo Picasso, Max Beckmann, Willem de Kooning“. Ein Mega-Unternehmen, bestückt mit Leihgaben aus aller Welt, für das sie vier Jahre arbeitete und für das in der Münchner Pinakothek der Moderne (PDM) alle Räume der Klassischen Moderne freigeräumt wurden. Die stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die vor allem zuständig ist für die Sammlung Moderner Kunst in der PDM und auch fürs Museum Brandhorst, geht heuer im Juli in den Ruhestand. Seit drei Jahrzehnten prägte die leidenschaftliche Kunsthistorikerin das Haus, was die Entwicklungen des 20. und 21. Jahrhunderts angeht. Nicht zuletzt deswegen vertrauten ihr und damit Bayern diverse namhafte Sammler ihre Schätze an.

Schulz-Hoffmann beschäftigt sich seit langem intensiv mit dem Schaffen Beckmanns (1884 bis 1950). Da begegnete sie nicht nur vielen Frauengestalten, sondern sei quasi automatisch zu Picasso (1881 bis 1973) geleitet worden, erzählt sie. Der hat ja nicht gerade wenig Weiblichkeit gemalt. Als dritten „Ausnahmekünstler“ hat sie sich den wesentlich jüngeren de Kooning (1904 bis 1997) auserkoren, dessen Weg in eine neue Art von Malerei führte. Die Kuratorin erkennt in Beckmanns Damen „ein positiveres Gegenbild“ zu seinen eigenen Verunsicherungen. Für Picasso seien die Frauen „Reflexionselemente“ für ihn selbst, aber auch fürs Weltgeschehen. Und Willem de Kooning setzte vollkommen auf „permanente Veränderung“, auf den „Wimpernschlag“ des Augenblicks.

Konsequenterweise hat sie die Kerle in der Schau nicht hintereinander-, sondern stets zusammengepackt. So entstehen mal harmonische, mal einander ergänzende, mal spannungsvolle Bild-Dialoge, die dem Betrachter neben der Lust an den vielen großartigen Gemälden (rund 95 Exponate auf 1800 Quadratmetern) noch zusätzlich Freude sowie Augen- und Gehirn-Kitzel verschaffen. „Anregungen zur Orientierung“ – aber keine sklavisch zu befolgende – möchte Carla Schulz-Hoffmann mit Kapitelüberschriften wie „Porträt, Typus, Idol“ oder „Passion, Ekstase, Exaltiertheit“ geben.

Ob der Besucher nun ihnen oder einfach seinem Gespür für die drei Männer und die vielen Frauen folgt, der Eindruck, den die Schau hinterlässt, ist so oder so tief und bewegend: Wir treffen die charmante Minna Beckmann-Tube oder die kühle Madame Soler (Picasso), authentische Individuen aus der Wirklichkeit, wir begegnen aber vor allem der Frau als Mensch mit allen Nuancen. Nie sehen Picasso, Beckmann und de Kooning das Weibliche als Objekt, auch nicht als etwas Göttliches, vielmehr immer als Menschheits-Größe. Insofern ist es wohltuend und konsequent, dass sich die Kuratorin nicht für die realen Frauen aus dem Leben der Künstler interessiert hat. Die Bilder-Frauen beweisen in künstlerischer Allgemeingültigkeit Liebe – mütterliche, freundschaftliche, sexuelle – und Not, Gefährlichkeit und Gefährdetsein, aber auch gesellschaftlichen Spaß und gemütliches Nichtstun. Das In-sich-ruhen, das So-sein-dürfen, das ja eine lange Tradition gerade in der Aktmalerei der Frau hat, ist schon ein großes Feld. Und die Herren breiten es malerisch hingebungsvoll vor uns aus. Das tut unglaublich wohl in unserer Zeit der Hektik, Körperertüchtigung, Selbst-Ablenkung und Reizüberflutung. Wenn Picasso sein bekränztes Mädchen in seinem Zimmer zeichnen lässt, ist es ein Mensch, der sich ganz ins künstlerische Tun versenken kann. Wenn Beckmann „Siesta“ hält, dann breitet sich die Frau – mit Kätzchen und Geige – entspannt über die Bildfläche aus; und er selbst, an den Rand gedrängt, schaut sehnsüchtig zu. Bei de Kooning breitet sich der weibliche Körper ohnehin in Rosa, Fleisch-Orange und Hellgelb überall hin aus und wird zur ungegenständlichen Malerei, also zur Malerei schlechthin. Er ist der Einzige, der – eben auf diese Weise – Daseins-Gelassenheit und explosive Dynamik vereinen kann.

Fazit der Schau: Kunst macht aus Machos wahre Frauen-Versteher. Oder, um mit Goethe zu sprechen: „Das Ewig-Weibliche/ Zieht uns hinan.“

Simone Dattenberger

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