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Passionstheater Oberammergau: An der Rückseite des Baus haben die Architekten Christian Jabornegg und András Pálffy das Dach geparkt, das bei Bedarf über die Bühne gefahren werden kann.

Pinakothek der Moderne: „Respektvoll, aber nicht ehrfurchtsvoll“

Das Münchner Architekturmuseum greift etwas auf, worüber sich die Gemüter heftig erhitzen können: „Bauen im Bestand“, vorgestellt anhand der Projekte der Wiener Baumeister Christian Jabornegg und András Pálffy.

Oberammergau – Passionsspielhaus – zusätzliches Dach. Auch eines der Beispiele für Bauen im Bestand. Und eines der Probleme, das das Büro Jabornegg & Pálffy, gegründet 1988, für seine Auftraggeber gelöst hat. Gewünscht war ein variabler Schutz, falls Sänger auf der ansonsten offenen Bühne auftreten. Gestänge und Apparaturen in das Oberammergauer Theater hineinzuquetschen, das wollten aber Christian Jabornegg und András Pálffy nicht. Folglich lassen sie das schön geschwungene, transparente Insektenflügel-Dach außen auf Schienen über das Rückgebäude fahren. Vor dem höheren Zuschauertrakt bleibt es stehen und beschirmt genau dort die Bühne.

In den Räumen des Architekturmuseums der TU in der Pinakothek der Moderne schildert das Team, das mit Bauen im Bestand berühmt wurde, fast schon asketisch seine Vorgehensweise. Am Eingang läuft eine Dia-Schau mit den Projekten. Didaktische, extra für die Ausstellung gefertigte Modelle verdeutlichen deren Phasen: Bestand (in Holz) und Eingriff (in Metall) beziehungsweise Problem und Lösung. Die Beschriftung ist davon abgelöst an der Wand angebracht. Pro Saal gibt es ein Stehpult mit dem Katalog, der diejenigen, die intensiver einsteigen wollen, ausführlicher, auch mit mehr Bildmaterial informiert. Genauso – im edelsten Wortsinn – bescheiden planen die beiden Könner auch.

Christian Jabornegg und András Pálffy streicheln ihre Egos nicht mit einer irgendwie aufgebrezelten Architektur. Sie „lesen“. Im Gespräch benutzt Pálffy das Wort immer wieder. Sie „lesen“, auch mit Hilfe von Historikern und Denkmalpflegern, das Umfeld. Wenn sie also in Bausubstanz hineingehen, dann studieren sie hingebungsvoll das Gemäuer, egal ob aus den 1960er-Jahren oder als Melange aus Mittelalter und Barock. Altes wird nicht in einem Schneewittchensarg konserviert, sondern als lebendiger Dialogpartner begriffen. So verwandelte sich in Wien am Karlsplatz eine ehemalige Hutfabrik in eine Ausstellungshalle, ohne dass die umliegende intime Struktur (Biedermeier und später) niedergemetzelt worden wäre. Man muss schon von Intarsien-Arbeit sprechen, die das Büro hier vollbracht hat, gekoppelt mit präzisem Wissen, wie statische Probleme abgefangen werden können.

Dabei gibt es aber keine Anbiederung an den Ursprungsbau. Stahl trifft schon mal auf Marmorstuck. Der Schimmer beider Materialien verbindet sie, und man merkt: Die Architekten haben richtig „gelesen“. Ob nun Eingriff und/oder Erweiterung, Jabornegg und Pálffy verschaffen sich Klarheit und schaffen dann für die Nutzer Klarheit. Dadurch entschärfen sie auch mögliche Kritik: Ihre architektonische Vorgehensweise ist verstehbar. So wird das vertraute Schlosshotel Velden (Landesbank-Millionen!) von einem topmodernen Hufeisen umfangen und nicht erdrückt. So wird das Schloss Esterházy in Eisenstadt für sein Museum und den Haydn-Saal kein verschämtes Anhängsel, sondern einen eleganten Erschließungsbau bekommen. Immer nach dem Motto: „respektvoll, aber nicht ehrfurchtsvoll“.

Von Simone Dattenberger

25. Juni bis 27. September

Katalog, Niggli Verlag, im Museum 39 Euro; Eintritt 10 Euro; Tel. 089/ 23 80 53 60.

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