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Exponate der Ausstellung "Andy Warhol - Zeichnungen der 1950er Jahre" in der Pinakothek der Moderne

Verbrecher und Verliebte

Pinakothek eröffnet mit Warhol-Sensation

München - Die Ausstellung „Andy Warhol – Zeichnungen der 1950er-Jahre“ startet ab Samstag in der Pinakothek der Moderne. Die Graphische Sammlung bietet eine Sensation.

„Das war fast ein Erweckungserlebnis“, bekennt Michel Semff, Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung. Er, der Warhol reserviert gegenüberstand, ist hingerissen von Andys Konvolut an Zeichnungen aus den 50er-Jahren. Die Entdeckung der rund 250 unbekannten Blätter in der Warhol-Foundation sei eine „kunsthistorische Sensation“. Und obwohl man für die Wiedereröffnung der Pinakothek der Moderne (14. 9.) nach der siebenmonatigen Sanierungszeit einen würdigen Herrn aus dem 17. Jahrhundert präsentieren wollte, habe man kurzfristig umdisponiert, denn „das müssen wir machen!“. Diese Warhol-Schau ist im Übrigen die einzige Station in Deutschland. Zuvor war sie im dänischen Louisiana Museum (Humblebaek) und im Harlemer Teylers Museum zu sehen.

Die Graphische Sammlung kann damit neben den anderen drei Eröffnungsausstellungen auftrumpfen und passt sich obendrein perfekt ein in den Reigen der Moderne, der wäre: „Traum-Bilder – Ernst, Magritte, Dalí, Picasso, Antes, Nay... Die Wormland-Schenkung“ (Sammlung Moderne Kunst; Artikel erscheint am Samstag) sowie „Afritecture“ (Architekturmuseum) und „Marokkanische Teppiche und die Kunst der Moderne (Designmuseum; beide Artikel am Freitag). Das merkt auch der Besucher, der denkt: Na ja, Warhol, kenn’ ich in- und auswendig. Beim ersten großen Blatt mit einer hingegossenen nackten Schönen wird klar, dass man bei Andy noch  fündig  werden kann. In diesem Fall lag der Schatz nicht versteckt, aber nicht beachtet in einer Kiste in der Warhol-Stiftung. Der Münchner Galerist Daniel Blau hob die Kleinodien. In Fülle werden sie in der PDM vorgeführt: Nach einem imposanten Einstieg im Ausstellungs-Korridor mit Zeichnungen, die alle Motive anreißen, hat Semff die Räume „gschlampert“ bestückt, um in etwa Atelieratmosphäre zu schaffen – und möglichst viel zeigen zu können. Die etwa 180 Arbeiten erzählen von Warhols „Training“ an Gesicht und Geste, an Körperspannung und -haltung, am ornamentalen Spaß, an Gewaltszenen oder Idyllen.

Der junge Künstler durchforstete in, wenn man so will, Prä-Pop-Art-Manier öffentliche Bilder. Fotos aus Zeitungen und Zeitschriften, Büchern und Werbung pauste er ab. Dampfte sie auf reine Linien ein, was zum Teil an Matisse und Cocteau erinnert, und nahm von dieser „Mutter-Zeichnung“ einen Abklatsch. Das war dann eine noch reduziertere Zeichnung. Das Zerbrechliche, Unfertige, Fragmentarische (man denke an Egon Schiele) betonte er obendrein durch gestückelte, beschnittene, geklebte Papiere. Die Individuen werden so zu Typen. Das wird zusätzlich durch die leeren Augen der Menschen betont, die damit zu Puppen oder Masken mutieren. Und etwas Bedrohliches, Bedrückendes bekommen.

Alternativ dazu gibt es Andy Warhols lustige Amoretten aus der Serie „In the Bottom of my Garden“ oder ein Skizzenbuch mit vielen Verliebten und vielen Herzerln. Übrigens sind schon die ersten seriellen Darstellungen zu entdecken, für die das Genie (1928 bis 1987) später berühmt wurde.

14. September bis 17. November täglich außer Mo. ab 10 Uhr; am 14. 9. freier Eintritt; Katalog, Hirmer Verlag: 35 Euro im Museum.

Von Simone Dattenberger

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