Hochleistungs-Entertainerin: Pink alias Alecia Moore. foto: dpa

Pink! in München - eine Konzertkritik

München - Pink hat mit ihrer „Summer Carneval-Tour" in München einen Stopp eingelegt. In ihrer Show begeisterte die 30-Jährige als Hochleistungs-Entertainerin und lies dem Publikum schon zu Beginn den Atem stocken.

Hollywood-Haudegen Samuel Fuller hatte ein einfaches Rezept für einen guten Film: „Mit einer Explosion anfangen und sich langsam steigern.“ Nun ist nicht gewiss, ob Alecia Moore, Kampfname Pink, jemals von Fuller gehört oder einen seiner Filme gesehen hat. Sicher ist aber, dass sie Fullers Motto beeindruckend konsequent für ihre „Summer Carneval-Tour“ umgesetzt hat. Im ausverkauften Reitstadion zu Riem beginnt sie das Konzert mit einem Knall und einem Sturz aus gut 20 Metern auf die Bühne. Bei anderen wäre das der sorgsam aufgesparte Höhepunkt des Abends gewesen. Für die 30-jährige Amerikanerin ist es nur das Aufwärmprogramm.

Später wird sie noch eine halsbrecherische Trapeznummer vorführen, sich in einem Gummiball von den Fans durch die Gegend kegeln lasse, in luftiger Höhe quer über die Arena schweben - und dabei noch Kunststücke ausführen. Es ist eine Zirkusvorstellung, perfekt in Szene gesetzt. Nicht zuletzt diese Auftritte haben Pink den Ruf beschert, eine Live-Sensation zu sein. Wer nölt, so könne ja jeder Stadien füllen, soll sich nicht täuschen; Die Faschingsveranstaltung reißt nur mit, weil Pink sie gekonnt leitet. Die Dame verfügt zum einen über eine kräftige Stimme mit viel Dreck darin. Zum anderen ist sie Hochleistungs-Entertainerin. Man darf nicht auf die Punk-Attitüde und die Tattoos hereinfallen. Pink steht mit dem makellos durchchoreographierten Spektakel und der selbstironischen Moderation in der Tradition klassischer US-Unterhaltungskünstler, die professionelles Arbeiten ganz natürlich wirken lassen.

So gesehen ist es schlüssig, dass die Musik eine sehr funktionale Rolle spielt. Pinks Lieder, die auf CD nicht immer überzeugen, erfüllen hier punktgenau ihren Zweck. Ein großer Abend für sie und ihre Fans - wie immer. Ach ja: Die Vorbands lohnten sich diesmal wirklich. Vor allem der großartige Paolo Nutini, der zwar wirkte, als leide er an Sonnenstich, Gehirnerschütterung und Vollrausch, aber spielerisch die gesamte Bandbreite der populären Musik abdeckte und mit markerschütternder Stimme die heimlichen Höhepunkte des Festivaltages setzte.

Zoran Gojic

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