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Immer wieder rutscht Denise Matthey in der Titelrolle ins Sentimentale und ist somit recht weit von der frechen Holzpuppe Pinocchio entfernt.

Pinocchio am Metropol: Den naiven Zauber verloren

München - Frech soll er sein, der "Pinocchio" nach Carlo Collodi. Sentimental ist er geworden, in der Inszenierung von Jochen Schölch am Münchner Metropoltheater. Lesen Sie hier die Kritik:

Unverdrossen stapfen wir mit Jochen Schölch durch sein Metropoltheater im Norden Münchens, gehen mit dem Theatermacher quasi durch dick und dünn. Wobei wir leicht reden haben, denn „dünn“ ist das, was auf der Bühne geschieht, eigentlich ja nie, wenn er selbst als Regisseur die Hand im Spiel hat. Was aber, wenn es doch einmal passiert?

Ohne lange herumzureden: Mit Schölchs Inszenierung von „Pinocchio“ sehr frei nach Collodi war wenig anzufangen. Dabei ist alles sorgsam vorbereitet in einem einfallsreichen Bühnenbild mit pfiffigen Projektionen. Schölch arbeitet mit ausdrucksstarken Masken, mit ein paar guten Schauspielern, er hatte Katja Wachter für die Choreographien und eine Band für die Livemusik. Da der Abend eine Koproduktion mit Ingolstadt und Fürth ist, durfte man auch eine Auftragskomposition vergeben: an Martyn Jacques und die Tiger Lillies („Shockheaded Peter“). Die sind bekannt für ihren Brecht-Sound und ihren englischen Humor.

Hier war aber nicht viel davon zu merken. So wie sie sich die Collodi-Geschichte von Pinocchio zurechtdrehen, bleibt viel vom naiven Zauber auf der Strecke. Stattdessen schleppen sich die Songs zu englischen Texten schwerfällig und langatmig dahin, macht sich viel Sentimentalität breit – genau das Gegenteil dessen, was diese freche Holzpuppe nahelegt.

Es gibt viel zu viel Musik, gegen die sich die kaum plausibel konzipierte Handlung nicht durchsetzt. Es fehlt an Aktion, an szenischem Leben, und keiner weiß so recht, an welcher Stelle der Geschichte man gerade ist. Noch viel weniger, was eigentlich die Stoßrichtung der Inszenierung sein soll. Lügen tut dieser Pinocchio jedenfalls nicht, und eine Nase wächst ihm auch nicht. Was aber wird dafür eingetauscht? Die zarte Denise Matthey darf nur ein paar Marionettenbewegungen und große kugelrunde Augen ins Spiel bringen. Damit rutscht sie, was einer Marionette sternenfern sein müsste, ins Sentimentale ab, was eben auch an der breit gestrichenen Musik liegt. Zweieinhalb Stunden sind reichlich für dieses begrenzte Vokabular. Viel Arbeit von vielen, aber diesmal ein magerer Ertrag.

Beate Kayser

Nächste Vorstellungen

heute,19., 20. und 24. April;

Telefon 089/ 32 19 55 33.

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